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HANDEL & ZÜNFTE
Die Geschichte des Bistums und der Stadt Hildesheim


Als sich angesichts hoher Schulden der Rat im Jahre 1342 genötigt sah von den Bürgern eine Sondersteuer zu erheben, den so genannten "10. Pfennig", führte das zu offener Empörung und großen Unruhen, die letztendlich damit endeten, dass die städtische Verfassung neu geordnet wurde. Eine der hart umkämpften Neuerungen war die Beteiligung der Zünfte und Innungen am Rat der Stadt.
Um die Unabhängigkeitsbewegungen seitens der Bürgerschaft unter Kontrolle zu halten und zur Sicherung der Domstadt lässt der Bischof außerhalb der Stadt zwei kleinere Festungsanlagen erbauen (Steuerwald und Marienburg).

Mitte des 14.Jh. zog der schwarze Tod, eine Pestepidemie ungeahnten Ausmaßes, von Süden aus sich verbreitend über den Kontinent. Im Jahr 1350 erreicht die Pest auch Hildesheim, etwa jeder dritte Bewohner der Stadt stirbt.

1350 erreicht die große Pest Hildesheim
Holzschnitt, 16. Jh.


Um das Jahr 1367 spitzten sich territoriale Konflikte zwischen dem Braunschweiger Welfenherzog und dem Hochstift Hildesheim zu. Es kam zur offenen Feldschlacht auf den Äckern bei Dinklar, die unter Führung des Bischofs siegreich für die Hildesheimer endete. Aus dem Lösegeld, das der Bischof für die Braunschweiger Gefangenen erhielt, ließ er die Domkuppel vergolden.

Kogge (Bildquelle: www.bontekoe.com)
Im Jahr 1368 wird Hildesheim Mitglied der Hanse und bleibt dem Städtebund auch bis zu deren Ende 1669 treu.

Das bürgerliche Zentrum der Stadt entwickelte sich zusehends. 1389 begannen die Bürger mit dem gotischen Ausbau der Andreas-Kirche und der neue Marktplatz (Großer Markt) wurde zum bevorzugten Standort repräsentativer Bauten.

Eines der ersten Privathäuser war das sog. "Tempelhaus". Es folgten zu Beginn des 16. Jh. die bekannten Gilde- und Zunfthäuser (insbes. das Knochenhaueramtshaus (Abb. unten), 1529)

Tempelhaus, Hildesheimer Marktplatz

Foto: Raymond Faure,
www.raymond-faure.com

Zum Schutz vor feindlichen Übergriffen schlossen sich 1426 zahlreiche sächsische Städte zu einem Bündnis zusammen
Für ein stattliches Darlehen ging 1428 das Münzrecht vom Bischof auf den Rat der Stadt über, der auch schon bald darauf mit den ersten städtischen Münzprägungen begann.

Aufgrund starker Repressalien seitens des Rats verließen 1457 die bis dorthin verbliebenen Juden die Stadt. Die junge jüdische Gemeinde (seit etwa Mitte des 14. Jh.) wurde aufgelöst.

Bischof und Rat vereinbaren künftig keine Juden mehr in Stadt und Stift zu dulden, Urkunde von 1457
(SAH)


Erst nach 1527 konnten sich allmählich wieder Juden in Hildesheim niederlassen.
Didrik Pining, Sohn der Stadt Hildesheim und Statthalter des dänischen Königs auf Island brach 1473 nach Westen auf, um einen Seeweg nach Asien zu finden.

Ob er jemals Kanada erreichte (d.h. Amerika vor Kolumbus entdeckte) lässt sich aber nicht mit Sicherheit sagen.



Mögliche Reiseroute Didrik Pinings, 1473
Zeichnung: Eichfelder

1483 verlangte der in Finanznot geratene Bischof Barthold II. von der Stadt Hildesheim die Stiftsschulden zu bezahlen und erhob eine außerordentliche Biersteuer. Der Rat weigerte sich diese zu zahlen und ließ sofort vorsorglich die Befestigungen verstärken und schloss neue Bündnisse ab.
Im darauf folgenden Jahr begann die "Große Fehde", die begleitet von großen Zerstörungen und Bränden zwei Jahre lang in Hildesheim und den benachbarten Städten und Dörfern wütete.

1518 entfachte erneut eine Fehde. Ein interner Streit zwischen Bistum und Adel ließ den Konflikt zu einem Krieg zwischen konkurrierenden Landesherren werden, in den auch die hohe Reichspolitik mit hineinspielte (Reichsacht über Bischof Johann.IV. auf dem Reichstag zu Worms, 1521).

Karl V. verhängt die Reichsacht über den Hildesheimer Bischof (1521) und verleiht der Stadt 1528 ihr Wappen
Gemälde von Tizian, 1548

Die sog. "Stiftsfehde" endete erst 1523 durch den "Quedlinburger Rezess". Für das Hochstift Hildesheim bedeutete der Vertrag einen bitteren Verlust. Der größte Teil des Bistums fiel an die Welfen.

Als wichtigste Figur Hildesheims in jener Zeit tritt der spätere Bürgermeister Hans Wildefuer hervor, der entschieden für die Wahrung der städtischen Interessen kämpfte.


Das Knochenhaueramtshaus
Marktplatz von Hildesheim

Ansichtskarte
Stadtarchiv Hildesheim (SAH)





1343
Pfennigstreit
Unruhen um eine
Sonder-Steuer
(zeitgenössische Münze)




1350
Die große
Pest erreicht
Hildesheim
(zeitgenössische Münze)




1367
Schlacht
bei Dinklar
Hildesheim besiegt die Braunschweiger Welfen




1368
Beitritt zur Hanse
Mitglied bis 1669




1457
Juden-Auszug
Verbot von Juden in Stift und Stadt (bis 1527)




1471
Tempelhaus
Das Grundgebäude entstammt allerdings dem 14.Jh. (Rathausbau)




1473
Didrik Pining
entdeckt Kanada?
Möglicherweise erreichte der Hildesheimer Seefahrer Amerika 19 Jahre vor Kolumbus




1484
Große Fehde
zwischen dem Domstift und den Bürgern von Hildesheim




ab 1513
Hexenprozesse
Wie im ganzen Land lassen sich auch in Hildesheim zu jener Zeit Hexenprozesse nachweisen.




1519 - 1523
Stiftsfehde
Der Kampf zwischen Bistum, Bürgern und Welfen endet mit dem Quedlinburger Rezess




1528
Stadtwappen
Karl V. verleiht Hildesheim das Stadtwappen




1529
Knochenhauer-
Amtshaus
Das schönste Fachwerkhaus der Welt auf dem Marktplatz von Hildesheim
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