Historisches
Rosengärten
Der Rosengarten bei Maria Münster
Zauberlinde
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DIE LINDE

Kriemhild & Linde, Rosengarten zu Worms', 15. Jh.

Nach dem Nibelungenlied stand an dem Ort, wo Hagen den Siegfried erschlug, eine Linde. Ebenso wurde der Schauplatz des Drachenkampfes von einer Linde überschattet. Handelt es sich dabei um den gleichen Ort?
Lindwurm ist eine Tautologie, denn *lint bedeutet nicht Linde, sondern ebenfalls Wurm. Dennoch erscheint die sprachliche Verwandtschaft zwischen dem Wurm und der Linde als sehr auffällig.

Im Wormser Rosengarten stand (laut Rosengartenlied) eine große Linde, auf deren Äste kunstvoll geschmiedete Vögel saßen. In der Straßburger Ausgabe des Heldenbuches stirbt Siegfried sogar im Rosengarten (also auch hier unter einer Linde). Dieser sonst unbekannte Zug kann höchstens durch Wormser Quellen gedeckt werden. Eugen Kranzbühler vermutet hierin sogar einen ganz eigenen Zug der lokalen Sage.

Diese Version kehrt im "Hürnen Siegfried" wieder, in Zusammenhang mit der Beschreibung von Ortnits Drachenkampf. Ortnit erleidet hier wehrlos (wie Siegfried) einen tragischen Tod, bezeichnender Weise in einem Rosenanger bei der "Zauberlinde".
Um die Schlafstätte der Walküre der isländischen Edda (Fáfinismál) lodert "der Linde Feind", ein Feuerring, der sich durchaus mit Krimhilds Rosengarten vergleichen lässt.
Lindenbäume sind von alters her ein Symbol für Gerichts- und Kultstätten (Gerichtslinde, Thinglinde). Unter ihrer weit auslaufenden Krone kann sich eine ganze Dorfgemeinschaft versammeln, um öffentliche Beschlüsse zu fassen, Verträge zu schließen (insbesondere auch Eheverträge) oder Feste zu feiern.

Tanz unter der Linden - Spätmittelalterlicher Holzschnitt


Die Linde ist aber auch der Baum, der häufig in Zusammenhang mit dem Trojalabyrinth erscheint.
Die Windelbahn von Stolp war früher, ähnlich wie das Eilenrieder Rad bei Hannover angeblich von Lindenbäumen umgeben.

Der Schlangengang von Steigra wird sogar heute noch von uralten Linden überragt. Der Festzug um die Merwigslinde (Abb. rechts) bei Nordhausen erfolgt (angeführt vom Maigraf) in labyrinthischen Bahnen. Ebenso befindet sich das Labyrinth von Graitschen (Tübingen) unter der sog. "Tanzlinde".

Festzug um die Merwigslinde bei Nordhausen
Aus: Jörg Lechler, 5000 Jahre Deutschland, 1935