Historisches
Rosengärten
Der Rosengarten bei Maria Münster
Zauberlinde
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ROSENGÄRTEN

Skelett, Museum der Stadt Worms, SAW ..

Der Rosengarten war lange Zeit hindurch in erster Linie ein Synonym für eine Begräbnisstätte. Im süddeutschen Sprachraum und insbesondere in der Schweiz hat sich diese Bedeutung z.T. bis in unsere Zeit erhalten.
Auf Grund der weiten geographischen Verbreitung dieser Tradition lässt sich ein sehr hohes Alter erschließen, insbesondere bei Grabstätten, die schon lange nicht mehr als solche erkennbar sind und dennoch als Rosengarten bezeichnet werden.

Neben seiner Eigenschaft als Friedhof kam dem Rosengarten auch die Funktion der Rechtsstätte zu. Es waren Asylorte mit früher Immunität, aber auch die Stätten der peinlichen Gerichtsbarkeit und der Exekution wurden als Rosengarten bezeichnet. Bereits 815 wird ein Rosengerichtsplatz dieser Art - Rosmalen in Brabant erwähnt. Später waren es auch die Orte an denen der Henker wohnte und letztendlich gibt es auch nicht wenige Fälle, in denen sogar das Gefängnis Rosengarten genannt wird.

Rosengärten dienten aber ebenso als Spiel- und Festplatz, als Orte, an denen nicht selten Turniere abgehalten oder Hochzeiten gefeiert wurden. Sehr häufig wird auch von einem Ring- oder Rolandsreiten berichtet. In Marburg war es bis zu Beginn des 19. Jh. Brauch im Frühling mit einem Mayen zu dem Rosengarten zu ziehen und dort einen sinnbildlichen Scheinkampf abzuhalten (ähnliches gibt es auch von Worms zu berichten).

Die volkstümliche Überlieferung wurzelt in erster Linie im Totenglauben, diverse Sagen von verborgenen Schätzen, schlafenden Königen und von Zwergen ranken sich um die Rosengärten.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Sagenvariante von dem "weißen Fräulein", häufiger noch sind es drei Jungfrauen, die darin vor langer Zeit lebten.
Im Rosengartenlied wird der Anger mehrfach mit dem Paradies verglichen und somit quasi als heiliger Ort beschrieben.
Kurt Ranke vermutet hinter dem Wort "Rosengarten" den "Roten Garten", durch die etymologische Ableitung von ros zu rot. "So ist "ros(en)gart" der seinen Namen von der roten Kultfarbe tragende, umfriedete Sakralbezirk."

Walter Neumann sieht dies anders: "Die Römer feierten im Mai die rosalia, das Rosenfest, an dem man Rosen zu verschenken und auf die Gräber zu legen pflegte; an diesen fanden auch Totenopfer und Gastmähler statt. So wurden die Begräbnisstätten zum pratum rosarum, Rosengarten. Wort und Brauch kamen von den Römern auch zu den nördlichen Völkern."

Vor dem 9. Jh. gab es in unseren Breiten lediglich die Heckenrose (rosa canina) und die hatte den ahd. Namen *hagen im Sinne von Dornbusch. *hagen ist eine Ableitung von dem Stamm *hag, was soviel heißt wie Gehege, ähnlich wie *gart Umfriedung, eingehegter Platz oder Hof bedeutet, deshalb sind die Begriffe rosenhag / rosengart auch synonym zu gebrauchen.


Hagebutte (rosa canina)
Foto: Fawcett5, www.wikipedia.org

Der Hagen des Waltharius wird ebenfalls nicht mit der Rose, sondern nur mit den Dornen in Zusammenhang gebracht. So wird er einmal als "Hagedorn mit den grünen Blättern", ein anderes Mal als "dorniger Hagen" bezeichnet.

-> In unserem Zusammenhang ist die Kombination Rosengarten und Linde interessant.