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BRUNICHILDIS
MEROWINGERKÖNIGIN

Hinrichtung der Brunichildis
Buchillustration, 15. Jh, Musée Condée in Chantilly

Nach dem Tod von Chlothar I. wurde das Frankenreich 561 dreigeteilt. Zwischen dem neustrischen und dem austrasischen Teil entwickelte sich in der Folge ein brutaler Krieg um die Vorherrschaft im Reich.
Dabei begann alles recht harmlos mit einer Doppelhochzeit (!) zwischen dem
austrasischen Frankenkönig Sigibert I., der Brunichildis, die Tochter des westgotischen Königs Athanagild zur Frau nahm und Sigiberts Bruder Chilperich I. von Neustrien, der Brunichildis Schwester Galswintha heiratete.

Dann gab es aber noch Fredegund, die einstige Nebenfrau Chilperichs I., sie überredet den neustrischen König zum Mord an seiner Gemahlin.
Nach dem Mord heiraten Chilperich I. und Fredegunde.
Brunichildis sinnt nun auf Blutrache und drängt Sigibert I. zum Krieg gegen Chilperich I. Vermutlich auf Grund der Intrigen Fredegunds stirbt Sigibert I. bereits im Jahr 575.

Chilperich I. von Neustrien stranguliert seine Frau Galswintha
Handschriftenminiatur, 14. Jh., Bibliothèque nationale de France


Nach dem frühen Tod Sigiberts I. bestieg Brunichildis den Thron. Sie soll mit unglaublicher Brutalität geherrscht haben und ist wahrscheinlich auch für Chilperichs Tod im Jahr 584 verantwortlich.
Ihre Geschichte endete damit, dass der spätere Reichseiniger Chlothar II. von Neustrien die austrasische Königin Brunichildis gefangen nahm und 613 von Pferden zu Tode schleifen ließ.
(s. Bild oben)

Die Erinnerung an diese dramatischen und für die weitere Geschichte entscheidenden Zeiten hat sich tief eingeprägt. So ist die Nibelungen-Überlieferung zum Teil sicher auch als Spiegel jener Ereignisse zu werten.

Der erbitterte Streit zwischen Brunichildis und Fredegunde ist vermutlich die Vorlage für den Königinnenstreit der Nibelungensage gewesen.
Im Vergleich zum Nibelungenlied muss aber auffallen, dass die historische Brunichildis eher zur Figur der Kriemhild passt und die historische Fredegunde zur Figur der Brünhild.

Die Wormser Münzeprägung von Brunichildis (Inschrift VARMACIA VIT) dokumentiert ihre Regierungszeit in Worms, 6. Jh.
(Replik, Sparkasse Worms)


Darüber hinaus erklärt die historische Brunichildis keineswegs alle Facetten der sagenhaften Brynhild der Nibelungensage. Der Streit der Königinnen ist lediglich ein weiteres Stück im großen Nibelungenpuzzle.

Ein sehr frühes Zeugnis ist das 1043 erstmals erwähnte Brunhildis Bett (lectulus brunhildis). Dieser Name für den Taunus-Gipfel ist sicherlich älter und könnte ein Indiz dafür sein, dass die Erweckungssage auch im Rheinland bekannt war (Reichert).

Gottesdienst am Brunhildisfelsen,
Foto von 1954, Großer Feldberg im Taunus


Manche Autoren sehen den Felsnamen in Zusammenhang mit der historischen Brunichildis, nur muss man sich dann fragen, warum sie dort geschlafen haben soll? Sicher ist die Benennung mancher Menhire (als Kriemhildenstein oder pierre Brunehaut) auf eine spätmittelalterliche Tradition zurückzuführen (die in den beiden Frauen teilweise Riesinnen sah). Das Brunhildis-Bett passt aber weder zeitlich noch inhaltlich in diesen Rahmen.