Historisches
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SIEGFRIED
SIGIBERT - ARMINIUS - BALDER

Siegfried in der Schmiede, nach Rudolf Mahn, um 1911

Vor 1200 gibt es kaum Hinweise auf eine Siegfriedfigur; unser Drachentöter ist von einem dichten Nebel umgeben, der sich auch mit Hilfe historischer Fakten nur schwer durchdringen lässt. Maßgebliche Aspekte seiner Figur sind mythisch.



SIGIBERT I. Merowingerkönig

Im Jahre 567 heiratet der austrasische Frankenkönig Sigibert I. Brunichildis, die Tochter des westgotischen Königs Athanagild. Bis zu seinem Tod 575 führt er Krieg gegen den neustrischen Frankenkönig Chilperich. Die "Sigi"-Namen waren bei den Merowingern sehr verbreitet.
Motiviert war dieser Krieg in erster Linie durch "zweier edler Frauen Streit" (Nibelungenlied). Dieser historische Frauen-Streit ist Gegenstand des Artikels über Brunichildis (s.d.).


Über die immerhin sehr auffällige Namensähnlichkeit zwischen Sigibert I. und Sigurd/ Siegfried, den Königinnenstreit seiner Frau und die heimtückische Ermordung reichen die Verbindungen nicht hinaus.

´Meuchelmord an Sigibert I. - vermutlich im Auftrag von
Fredegunde, der Frau des neustrischen Königs Chilperich. Handschriftenminiatur, 14. Jh.,
Bibliothèque nationale de France




ARMINIUS Cheruskerfürst (fälschlich Hermann der Cherusker)

Otto Höfler stellte 1961 die These auf, dass es sich bei dem Drachenkämpfer um Arminius, den Cheruskerfürsten gehandelt habe und dass der Drachenkampf letztendlich identisch wäre mit der Varusschlacht im Teutoburger Wald, in der die Römer im Jahre 9. n. Chr. eine so unglaubliche Niederlage erlitten.
Höfler liefert eine Reihe sehr überzeugender Argumente unter der Prämisse eines mythischen Modells des Drachenkampfes, in das sekundär ein historisches Geschehen transportiert wurde:

Der Name Arminius ist nicht originär, da die Sippe der Cheruskerfürsten soweit die Quellen dies bezeugen - sämtlich mit der gleichen Silbe "Segi" beginnen, sein Vater z.B. hieß Segi-merus. Arminius ist wohl nur eine lateinische Angleichung.

"Die Hermannsschlacht", Stich nach Friedrich Gunkel, 1862
Stiftung Maximilianeum, München


Der Stammesname "Cherusker" lässt sich übersetzen mit "Hirschvolk" und verrät uns dadurch auch eine starke Hirschsympathie. Diese Verbundenheit zum Hirsch ist bei dem Siegfried der Nibelungensage Legion (Sigurd wird z.B. von einer Hirschkuh gesäugt, er erweckt Brynhild auf dem Hindinsfelsen - also dem Hirschkuhfelsen, seine Frau sieht ihn im Traum als Hirsch und er wird im Rahmen einer Jagd erlegt, etc.)
Ein weiteres Argument sieht Höfler darin, dass nach Tacitus schon sehr früh, also schon im 1. Jh. n.Chr. heroische Dichtungen den Römerbesieger feierten. Arminius erlitt ebenso wie Siegfried ein tragisches Ende durch einen tückischen Anschlag aus eigener Verwandtschaft und das sind noch nicht alle Parallelen, dennoch gilt Höflers These heute als fragwürdig, vermutlich auch deshalb, weil er die Varusschlacht auf Grund seiner Theorie an einem anderen Platz suchte, als dem, an dem ihn die Archäologen mittlerweile gefunden haben. Aber dieses kleine Detail sollte nicht über die anderen guten Argumente Höflers hinwegtäuschen.
Übrigens ist Siegfrieds Heimat Xanten ein Zentrum der Arminiusüberlieferung.



ST. VICTOR Römischer Offizier

Der heilige Victor
(lat. 'Sieger') war der Überlieferung nach Führer einer zur Thebäischen Legion des Mauritius gehörenden Kohorte.

Er erlitt angeblich mit weiteren Gefährten in der römischen Stadt Colonia Traiana unter Kaiser Maximian den Märtyrertod. Über dem vermeintlichen Grab wurde eine Kirche errichtet, darum herum entstand der Kern der mittelalterlichen Stadt und der Ort erhielt seinen Namen "zu den Heiligen", "ad sanctos" gleich Xanten. Xanten gilt im Nibelungenlied als Heimat Siegfrieds.

St. Viktor-Statue am Dom zu Birten (Quelle: Wikipedia)



WEITERE MÖGLICHKEITEN

Nach Helmut de Boor könnte Siegfried auch der vertriebene Sohn eines ripuanischen Fürsten-Hauses sein, der im ersten Drittel des 5. Jh. am burgundischen Hof aufgenommen wurde.

Karl-Alexander Hellfaier vergleicht Siegfried mit Uraja, einem ostgotischen Heerführer des 6. Jh.

Einige Forscher wie Franz Rolf Schröder halten es jedoch für wahrscheinlicher, dass die Gestalt Siegfrieds ganz aus der Mythen- und Märchenwelt kommt.
Einer der hier in Frage kommenden Hauptkandidaten der germanischen Mythologie ist der Sonnengott Balder, der - ebenfalls unverwundbar - nur durch Lokis List - durch den blinden Hödur ermordet wurde.

Balder wurde vor den Augen der Götter ermordet
"Balders Tod" von Christoffer Wilhelm Eckersberg, 1840


Ein weiteres mythisches Vorbild Siegfrieds ist Gegenstand des Artikels über Cernunnos