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GEORG
D
RACHENTÖTER

Der Heilige Georg, Raffael, 1505

Georg wurde der Legende nach im 3. Jahrhundert in Kappadokien, der heutigen Türkei geboren und zu Beginn des 4. Jh. von Christenverfolgern nach einem langen Martyrium enthauptet.
Während die Vita von diesen zahlreichen Martern, vom dreimaligen Tod Georgs und seinen Auferweckungen durch Christus sowie einer Vielzahl von Wundertaten berichtet, findet der Drachenkampf zunächst keine Erwähnung.
Der Georgskult verbreitete sich schnell im Vorderen Orient
und lässt sich schon im 6. Jh. im fränkischen Merowingerreich nachweisen; doch erst mit den Kreuzzügen verbreitete sich die Verehrung um den Soldatenheiligen zusehends (1099 wurde er zum Schlachtenhelfer bei der Eroberung Jerusalems).
Was wir heute in erster Linie mit Georg assoziieren ist der Drachenkampf. Wo immer wir dem hl. Georg begegnen, begegnen wir auch dem Drachen. Dennoch ist die Drachenlegende eine relativ junge Zutat, die nicht vor dem späten 11. Jahrhundert Eingang in den Georgkult gefunden hat.

Woher stammt dieses Motiv?
Die zentralen Elemente der Georglegende, d.h. die von einem Untier bedrohte Stadt, die Auslosung der Opfer sowie die Befreiung der Jungfrau, finden sich bereits in der griechischen Sage. Hier kämpft Herakles gegen das Meeresungeheuer Ketos vor den "Mauern von Troja".


Eine der frühesten Darstellungen von Georg als Drachentöter
Steinrelief, Kiew, um 1062


In Bulgarien hat sich diesbezüglich eine interessante Tradition bewahrt: Noch bis in unsere Zeit wird dort am St. Georgs Tag (23. April) der siegreiche Drachenkampf und die damit verbundene Jungfernbefreiung des Heiligen feierlich begangen.
Die alten serbischen Festlieder kennen den Schauplatz des Kampfes vor den "Mauern von Troja". Den hierbei getanzten (verschlungenen) Reigen bezeichnet Rosen (Bulgarische Volksdichtungen, Leipzig 1879) sogar als das "Überbleibsel eines vorchristlichen Gottesdienstes"

Herakles besiegt neben Ketos übrigens noch einen weiteren Drachen namens Ladon. Ladon bewachte die Äpfel im Garten der Göttermutter Hera.

Ähnlich wie Herkules bezwingt auch der hyperboreische Apollo die Pythonschlange von Delphi und übernimmt daraufhin ihre Kultstätte.

Herakles kämpft gegen das Meeresungeheuer Ketos bei Troja
Kretische Vase, 5. Jh. v. Chr. Foto. S.Hertig; IDS Zurich

Die Python war der personifizierte Orakelgeist und die Priesterin dieser Kultstätte nannte man nach ihr Pythia. Sowohl in Delphi als auch bei Hera (und m.E. auch bei Evas Apfelgarten-Paradies) erkennen wir in den Frauen die ursprünglichen Herrscherinnen.
Möglicherweise darf man in diesen Frauen auch die ersten Gebieterinnen der Drachen sehen, denn jene standen im "Dienst" der Priesterinnen bzw. Göttinnen.
Beispiele für Drachenbezwingerinnen der mittelalterlichen Ikonografie sind u.a. Martha von Bethanien und Juliana von Nikomedien.



SEYFRID, JUNGFRAUEN-BEFREIER

Die Parallelen der Georglegende zur Nibelungensage sind spärlich. Lediglich im Seyfridlied haben wir das gleiche Bild vor Augen, welches die Georglegende bestimmt: Eine Frau (Kriemhild) in der Gewalt eines Drachen und ein Held (Seyfrid) der sie errettet. Doch genau bei jenem Part der Seyfridgeschichte handelt es sich um eine Neuerung der ursprünglichen Geschichte.
In der nordischen Überlieferung (Edda) stellt der Drache keine Bedrohung für die "schlafende Schöne" dar. Dieser Gedanke ist der Nibelungensage gänzlich fremd. D.h., wenn ein Austausch zwischen der Georglegende und der Nibelungensage statt gefunden haben sollte, dann hat sicherlich die Sage Elemente der (neueren) Legende aufgenommen und nicht umgekehrt. Dennoch könnten beide Drachengeschichten auf einen gemeinsamen indoeuropäischen Kult zurückgehen.

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