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MARTHA
D
RACHENBEZWINGERIN


Die Legende der Martha (von Bethanien) berichtet uns von einer durch einen Drachen bedrohten Stadt. In größter Not kommt die hl. Martha, sie besänftigt den Drachen durch ihren Gesang, bindet ihn mit ihrem Gürtel, um ihn daraufhin durch die Stadt zu führen, wo er von den Bürgern erschlagen wird (Als Kultspiel in Tarrascon bis in unsere Zeit belegt).

Im europäischen Mittelalter waren zwei leicht unterschiedliche Varianten von Drachentötersagen bekannt. Zum einen gab es den Typ der Martha-/ Georglegenden. Diese Geschichten erzählen jeweils von einer durch einen Drachen bedrohte Stadt. Es kommt zur Überwältigung und Bindung des Drachens durch eine Frau; mit bzw. ohne Unterstützung eines Ritters oder Engels.

Den anderen Typ des Drachenkämpfers finden wir im Bereich der Nibelungensage. Hier geht es in erster Linie um den Kampf mit dem Drachen, um die Gewinnung eines Hortes sowie um die Befreiung bzw. Erlösung einer Jungfrau.


Prozession des Tarasken am Marthatag (29. Juli) in Tarascon
Postkarte, 1910

In beiden Geschichten folgt also auf die Bezwingung des Drachens die Befreiung eines Landes und/oder einer Frau. Im ersten Typ allerdings spielt die Frau eine wesentlich größere Rolle, welche man sich schwerlich als christliche Zutat erklären kann.
Diese quasi exekutive Rolle besitzt die Jungfrau der Nibelungensage nicht mehr, selbst wenn wir in Brunhild noch eine im sprichwörtlichen Sinne sehr starke Frau vor uns sehen, der man eine solche Tat auch ohne weiteres zutrauen könnte. Man denke nur an die Kampfspiele auf Isenstein, oder daran, dass sie ihren Ehemann in der Brautnacht mit ihrem Gürtel fesselte und an den Nagel hing.
Letztendlich lässt es sich natürlich nicht sagen, ob sich eine der beiden Geschichten aus der anderen entwickelt hat oder ob sie völlig unabhängig voneinander entstanden sind.

Eine weitere Drachenbezwingerin ist Juliana (von Nikomedien), sie ist im Wormser Dom auf einem Säulenrelief aus dem 12. Jh. (!) zu sehen.