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ZWÖLFKAMPF
D
ICHTUNGEN

Filmplakat (Detail) "Die Nibelungen", Fritz Lang, 1924

Zwölfkampfdichtungen bzw. -elemente sind im deutschen Sagenraum sehr verbreitet. Dabei geht es in erster Linie um einen Kampf von zwölf Rittern gegen einen Einzelnen, wie z.B. im Waltarius (Walther kämpft gegen 12 Wormser Helden), im Beowulf, einem altenglischen Epos (Beowulf stirbt im Kampf mit dem Drachen, weil seine zwölf Gefolgsleute fliehen) oder sehr ähnlich im Wolfdietrich etc.
Häufig findet der Zwölfkampf (Reihenkampf) auch im übertragenen Sinne statt, sobald jemand dank magischer Zaubermittel die Kraft von 12 Männern besitzt, wie z.B. im Laurin oder auch im Nibelungenlied, durch die Tarnkappe, einen Ring oder einen Gürtel. In den Märchen ist dieses Motiv allgemein verbreitet.
Im Rosengartenlied wird ein Kampf von zwölf Ritter gegen andere zwölf Ritter beschrieben, die sich jeweils in Zweikämpfen einander gegenübertreten.
Dieses Element kennen wir ebenfalls aus dem Nibelungenlied (C* 111ff), wenn Siegfried mit 12 seiner Männer die Wormser Helden fordert.
Vermutlich gehen die Zwölfkämpfe der deutschen Dichtung auf die Gefolgschaft der 12 Paladine (12 Pairs, die zwölf edlen Ritter) von Karl dem Großen zurück. Diese wiederum verweisen unmittelbar auf die 12 Apostel.


Jesus and the dragon, Lambeth Palace Library

Der Zwölfkampf selbst hingegen ist schwerlich christlich zu interpretieren; würde man diese Verbindung herstellen, ergäbe sich die schwierige Gleichung 12 Ritter = 12 Apostel, Siegfried = Jesus und Kriemhild = die Braut Christi. Es gibt zwar tatsächlich eine Legende, welche von der Befreiung der "im Weltlabyrinth verirrten Braut Christi" aus der Macht des Teufels handelt (mehrfach in den Altarmalereien des Lukas Kranach dargestellt), doch auch hier bildet ein indoeuropäischer Mythos die Grundlage (wobei der Drache zum Teufel wird).

In der nordischen Sagengestaltung finden sich kaum Zwölfkampfdichtungen, dort begegnen wir allerdings an gleicher Stelle Beschreibungen des Drachenkampfes. Drachenkämpfe sind in der Regel ähnlich motiviert, es geht um die Gewinnung einer Jungfrau und um das mit ihr verbundene Gut. Die Zwölfkampfdichtungen ersetzen in der deutschen Überlieferung vielfach den Drachenkampf bzw. werden mit ihm kombiniert.
Im Hinblick auf Waltarius und Beowulf könnte man auch annehmen, dass der Reihenkampf sagengeschichtlich älter ist als der Drachenkampf. Möglicherweise sind die Reihenkampf-Dichtungen eine entfernte Erinnerung an alte Kultspiele und es war erst das Motiv von mehreren hintereinander laufenden Männern welches zu dem Bild einer Schlange bzw. eines Lindwurms führte.

Auf den Färöer tanzte man früher zum Gesang des "Sjurðar kvæði" (Sigurdlied) den "ormen longe" (langen Wurm, eine Schlange) durch eine Trojaburg. (vgl. auch: Labyrinth & Siegfriedsage)




Der "Lange Wurm", Tanzspiel auf den Färöer-Inseln