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DAS NIBELUNGENLIED

"Mittelalterliche deutsche Geschichtsdichtung:
Vom Heldenlied zur Reimchronistik"
Prof. Dr. Metzner
Jahrgang: 1997

Referentin: Stephanie Junkers

Nibelungenlied, Anfangsinitiale Handschrift C, 13. Jh. .

INHALTSANGABE

Das Nibelungenlied besteht aus 39 Aventiuren. Inhaltlich läßt sich das Epos am besten in zwei Teile gliedern. Die Aventiuren 1-19 erzählen die Geschichte von Siegfried und Kriemhild, die Aventurien 20-39 von Kriemhilds Rache an den Nibelungen.

Das Epos beginnt mit der Vorstellung der Burgundin Kriemhild, die mit ihrer Mutter Ute und ihren Brüdern, den Königen Gunther, Gernot und Giselher in Worms lebt. Gefährten der drei Könige sind Hagen von Tronje, sein Bruder Dankwart, Ortwin von Metz, Gere, Eckewart, Volker von Alzey, Rumold, Sindold und Hunold. Siegfried ist der Sohn von Sieglinde und König Sigmund und wuchs in Xanten am Niederrhein auf. Als Siegfried von der Schönheit Kriemhilds erfährt, faßt er den Entschluß, nach Worms zu ziehen und um sie zu werben. Nachdem es in Worms fast zum Kampf zwischen Siegfried und den Burgundern gekommen wäre, wird er doch als Gast am Hof willkommen geheißen. Siegfried lebt nun einige Zeit bei den Burgundern, immer in der Hoffnung, eines Tages um Kriemhilds Hand anzuhalten.

Auch Kriemhild verliebt sich in Siegfried. Als die Sachsen und die Dänen die Burgunder angreifen, verdanken die Burgunder Siegfried einen glorreichen Triumph. Als nun König Gunther von Königin Brünhild von Island hört, beschließt er, um sie zu werben. Siegfried rät ihm ab, weil er weiß, daß jeder Bewerber in einem Wettkampf gegen Brünhild antreten muß, an dem bisher jeder scheiterte und so sein Leben verlor. Gunther läßt sich aber nicht von seinem Plan abbringen. Mit der Aussicht, Kriemhild zur Frau zu erhalten, verspricht Siegfried, Gunther bei der Brautwerbung zu helfen. Tatsächlich überlisten Siegfried und Gunther Brünhild. Mit Hilfe der Tarnkappe aus dem Nibelungenschatz wird Siegfried unsichtbar und trickst Brünhild im Wettkampf gegen Gunther aus. So wird sie Gunthers Frau und Kriemhild wird mit Siegfried vermählt. Brünhild verweigert Gunther jedoch den Beischlaf. Erst als Siegfried an Gunthers Stelle Brünhilds Widerstand im Bett bricht, läßt diese ihren Mann gewähren. Siegfried stiehlt Brünhilde nach dem Kampf ihren Ring und ihren Gürtel und schenkt beides seiner Frau Kriemhild. Siegfried und Kriemhild ziehen dann nach Xanten. Dort gebiert Kriemhild nach 9 Jahren einen Sohn, der Gunther getauft wird. Auch Brünhild gebiert in Worms einen Sohn, der auf den Namen Siegfried getauft wird. Auf Brünhilds Wunsch laden die Burgunder Siegfried und Kriemhild nach Worms ein. Dort jedoch geraten Kriemhild und Brünhild in Streit. Brünhild behauptet, Siegfried sei nur ein Vasall Gunthers und deshalb mit ihm nicht auf eine Rangstufe zu stellen. Kriemhild bestreitet dies. Die beiden Frauen treten nun in Konkurrenz zueinander und versuchen, sich gegenseitig zu erniedrigen und zu übertrumpfen. Kriemhild berichtet Brünhild, daß Siegfried, nicht Gunther, sie im Bett besiegt und zur Frau gemacht hat und zeigt ihr den gestohlenen Ring. Brünhild beschuldigt Kriemhild, den Ring entwendet zu haben. Daraufhin wiederholt Kriemhild ihre Anschuldigung und zeigt Brünhild den gestohlenen Gürtel. Nun schreiten die Könige ein. Siegfried weist die Anschuldigungen von sich und Gunther spricht ihn frei. Brünhild und Kriemhild bleiben jedoch verfeindet. Hagen plant nun, Brünhilds Schmach zu rächen und versucht auch, andere Könige und Recken von seinem Mordgedanken zu überzeugen. Gunther und Hagen täuschen eine Kriegserklärung der Sachsen und Dänen vor. Siegfried verspricht, mit den Königen in den Kampf zu ziehen. Mit der Vorgabe, Siegfried beschützen zu wollen, entlockt Hagen Kriemhild Siegfrieds Geheimnis. Nachdem Siegfried in seiner Jugend den Drachen erschlug, badete er in dessen Blut, um Unverwundbarkeit zu erlangen. Zwischen die Schulterblätter flog aber beim Baden ein Lindenblatt, dorthin konnte kein Blut gelangen und Siegfried ist an dieser Stelle doch verwundbar. Nachdem es dann nicht zum Kampf mit den Sachsen und Dänen kommt, fahren die Helden stattdessen auf eine Jagd. Während der Jagd ermordet Hagen Siegfried mit dessen eigenem Speer. Die Helden versuchen, diesen heimtückischen Mord zu vertuschen, aber Kriemhild ahnt sofort, dass Hagen die Tat beging. Kriemhild und alle einstigen Gefährten Siegfrieds schwören Rache. Nach der Beerdigung kehrt König Sigmund allein zurück in die Niederlande. Kriemhild bleibt bei ihrer Verwandtschaft. Dreieinhalb Jahre lang spricht sie nicht mehr mit Gunther und Hagen, dann versöhnt sie sich wieder mit Gunther. Die Männer überreden Kriemhild, den Hort der Nibelungen als die ihr zustehende Morgengabe nach Worms zu holen. Kriemhild verwaltet den Schatz nun sehr freigiebig. Hagen befürchtet, dass Kriemhild mit ihrem Reichtum Ritter an sich bindet, um mit deren Hilfe Rache an ihm und den Brüdern zu üben. Er stiehlt den Hort der Nibelungen und versenkt ihn im Rhein. So endet der erste Teil des Epos.

Im zweiten Teil erfährt der König der Hunnen, Etzel (nordisch: Attila) von der edlen Kriemhild. Etzel beschließt, um sie zu werben und schickt mit diesem Auftrag den Markgrafen Rüdiger von Bechelaren (Pöchlarn) nach Worms. Hagen rät von der Hochzeit ab, da er ahnt, dass Kriemhild mit Hilfe der Hunnen an den Burgundern Rache nehmen könnte. Kriemhild willigt in die Heirat ein, obwohl sie Christin und Etzel Heide ist. So zieht sie mit ihrer Gefolgschaft, Rüdiger und dessen Gefolgsleuten zu Etzel. Auf dem Weg besuchen sie noch Kriemhilds Onkel, den Bischof von Passau. Nach der Hochzeit in Wien leben Kriemhild und Etzel in Etzelburg (Gran). Kriemhild gebiert nach sieben Jahren einen Sohn, der Ortlieb getauft wird. Nach weiteren sechs Jahren überredet Kriemhild Etzel, ihre Brüder und deren Gefolgsleute nach Etzelburg einzuladen. Sie gibt vor, Sehnsucht nach ihnen zu haben, aber in Wirklichkeit will sie Rache für Siegfried nehmen. Hagen rät den Burgunderkönigen ab, die Einladung anzunehmen, aber als diese nicht auf Hagen hören wollen, will er nicht als Feigling dastehen und fährt mit. Unterwegs bringt Hagen einen Fährmann um, um den Rhein überqueren zu können, und provoziert so einen Kampf mit den Bayern Else und Gelfrat. Vorher prophezeien ihm einige Meerfrauen, dass außer dem Kaplan des Königs keiner der Burgunden diese Reise überleben wird. Um die Voraussage der Meerfrauen zu überprüfen, versucht Hagen, den Kaplan zu ermorden, aber dies mißlingt ihm. Hagen weiß nun, daß den Burgunden ihn Etzelburg der Tod erwartet. Bei Rüdiger von Bechelaren bleibt der Königszug vier Tage zu Gast und Giselher verlobt sich mit Rüdigers Tochter Gotelint. Als Dietrich von Bern von dem anstehenden Besuch der Burgunder bei den Hunnen hört, warnt er diese vor der Gefahr durch Kriemhild. Dennoch kehren die Burgunder nicht um. Nach der Ankunft in Etzelburg sucht Kriemhild nach einer Möglichkeit, die Burgunder anzugreifen, aber sie sind vorsichtig. Trotzdem nehmen die burgundischen Ritter am Wettkampf teil. Kriemhild bittet Dietrich von Bern um seine Unterstützung für ihre Rachepläne, aber dieser lehnt ab. Blödel jedoch verspricht, ihr im Tausch für eine Grenzmark zu helfen.

Er beginnt den Kampf, indem er und seine Leute Dankwart, zwölf Ritter und 9000 Knappen angreifen. Blödel wird von Dankwart erschlagen, der als einziger Burgunder überlebt und die Könige und deren Gefolge warnt. Daraufhin erschlägt Hagen das Kind Ortlieb. Im weiteren Verlauf verlieren viele tausend Ritter Etzels das Leben. An Etzels Seite kämpfen auch Iring von Dänemark, Irnfried von Thüringen, Rüdiger von Bechelaren, der wegen der Verlobung seiner Tochter mit Giselher vor einem Gewissenskonflikt steht, und Dietrich von Bern samt tausende von ihren Gefolgsleuten. Etzel selber kämpft nicht. Am Ende überlebt auf der Seite der Kämpfer für die Hunnen nur Dietrich, der die letzten lebenden Burgunder, Hagen und Gunther, gefangen nimmt. Dietrich übergibt Kriemhild die Gefangenen mit der Bitte, sie zu schonen. Kriemhild verspricht es. Um aber von Hagen das Versteck des Nibelungenhortes zu erfahren, läßt sie Gunther töten. Als Hagen ihr dann immer noch nicht das Versteck verraten will, köpft Kriemhild ihn mit Siegfrieds Schwert. Daraufhin tötet Hildebrand, ein Gefolgsmann Dietrichs, Kriemhild, da sie es als Frau wagte, einen Recken zu töten. So endet das Nibelungenlied.


2. HISTORISCHER HINTERGRUND

Auch hier zeigt sich ein Unterschied zwischen dem ersten und zweiten Teil. Der erste Teil hat mit der Gestalt Siegfrieds eher einen mythischen Charakter. Es läßt sich für die Siegfried-Brünhild bzw. Siegfried-Kriemhild-Saga nur schwer eine historische Parallele finden. 566 oder 567 heiratet der austrasische Frankenkönig Sigibert I. (Merowinger) Brunhild, Tochter des westgotischen Königs Athanagild. Sigiberts Bruder Chilperich I. von Neustrien heiratet Brunhilds Schwester Galswintha. Fredegund, einstige Mätresse Chilperichs, überredet ihn zum Mord an seiner Gemahlin. Nach dem Mord heiraten Chilperich und Fredegund. Brunhild und Fredegund sind sich spinnefeind. Auf Brunhilds Drängen hin führt Sigibert Krieg gegen Chilperich. 575 stirbt Sigibert I., wahrscheinlich auf Wunsch Fredegunds. 584 wird Chilperich ermordet, wahrscheinlich als Rache durch Brunhild. 613 wird Brunhild von Chlotar II. von Neustrien gefangengenommen und ermordet. Brunhild regierte zeitweilig in Worms. Ob der Burgunderkönig Gundahar in Worms regiert hat, ist hingegen nicht belegt. Die historische Brunhild paßt eher zur Figur der Kriemhild und die historische Fredegund zur Figur der Brünhild. Daß aber die Namen so eklatant vertauscht wurden, ist für Heldenepen untypisch. Orte wurden öfters geändert, um einen stärkeren Bezug zum Publikum zu finden. Namen großer Helden und anderen historischen Personen wurden dagegen möglichst beibehalten, wohl weil unter anderem auch die historischen Personen dem Publikum bekannt waren. Dennoch ist es durchaus wahrscheinlich, daß die Geschichte vom Frankenkönig Sigibert I. mit dem mythischen Held und Drachentöter Siegfried im Nibelungenlied verknüpft wurde. Bei den Germanen klangen die Namen der Familienangehörigen oft ähnlich. Bei den Merowingern gab es Namen mit den Anfangssilben "Sigi", leider sind heute nur noch Sigibert I. und Sigivald bekannt. Viele Nibelungenforscher versuchten nun, einem der beiden die Gestalt des Siegfried zuzuschreiben. Aber auch andere Möglichkeiten wurden überdacht. Nach Helmut de Boor könnte Siegfried auch der vertriebene Sohn eines ripuanischen Fürstenhauses sein, der im ersten Drittel des 5. Jh. am burgundischen Hof aufgenommen wurde. Andere verglichen Siegfried mit dem ostgotischen Heerführer Uraja oder dem Cheruskerfürsten Arminius. Mit Arminius verbindet Siegfried ein früher Tod durch Verwandtenmord. Xanten, Siegfrieds Zuhause, ist Zentrum der Arminiusüberlieferung. Der Sieg Arminius' über Varus in der Schlacht im Teutoburger Wald 9 n. Chr. könnte, nach Otto Höfler, im Drachenkampf mythisch überhöht worden sein. Einige Forscher wie Franz Rolf Schröder halten es jedoch für wahrscheinlicher, daß die Gestalt Siegfrieds ganz aus der Mythen- und Märchenwelt kommt. Siegfried wurde besonders im 19. Jh. mit allen möglichen germanischen Göttern verglichen.

Weitaus einfacher läßt sich zum zweiten Teil des Nibelungenliedes, dem Untergang der Burgunder, eine historische Parallele finden. Von 406 bis 413 eroberte der Burgundenkönig Gundahar(ius) nach Überquerung des Rheins linksrheinische Gebiete. Sitz des Königs war wahrscheinlich Worms oder Mainz. Möglicherweise waren die Burgunder Föderaten Roms. Die Burgunden versuchten, ihr Gebiet in nordwestlicher Richtung gegen die römische Provinz Belgica auszudehnen. 435/436 wurden sie vom weströmischen Heermeister Aëtius geschlagen. 436/437 wurden die Burgunden dann von den Hunnen, die wohl Hilfstruppen Aëtius' waren, vernichtend besiegt. Gundahar, die ganze Familie und ein großer Teil des burgundischen Volkes wurden getötet. Später schreibt der spanische Bischof Hydatius von 20.000 Toten. Im Jahr 443 überläßt Aëtius den restlichen Burgundern ein neues Gebiet in der Sapaudia, dem heutigen Savoyen, an der oberen Rhône und der Saône gelegen. Einige Burgunden blieben in ihrer alten Heimat am Rhein. Ab 461 war Lyon neue burgundische Residenz. In den Folgejahren dehnten sich die Burgunder noch bis zum Mittelmeer aus und adaptierten teilweise die römische Kultur. Im burgundischen Recht, Lex Gundobada oder Lex Burgundionum genannt, das vor König Gundobads Tod 516 aufgezeichnet wurde, werden unter anderem auch die Könige Gibica, Gundomar, Gislahar und Gundahar erwähnt. Gibica entspräche dem altnordischen Gjúki und dem mhd. Gibiche und so dem Vater der burgundischen Brüder in fast allen Nibelungengeschichten - nur im Nibelungenlied heißt der Vater Dankrat. Gundahar ist wohl zweifelsfrei König Gunther, Gundomar wahrscheinlich Gutthorm bzw. Gernot und Gislahar entspräche Giselher. 534 wurden die Burgunder endgültig von den Franken besiegt und ihr Gebiet dem fränkischen Reich angegliedert. Bei der Schlacht 436/437 wurden die Hunnen nicht von Attila d. h. Etzel angeführt. Erst 441 wird Attila Alleinherrscher der Hunnen, nachdem sein Bruder Bleda, im Nibelungenlied Blödel genannt, ermordet wurde. Die Schlacht von 436/437 wird im Nibelungenlied wohl mit der Schlacht auf den katalaunischen Feldern im Jahr 451 vermischt. Dort kämpften die Hunnen unter Attlia zusammen mit den rechtsrheinischen Burgunden gegen Aëtius, die sapaudischen Burgunden und den westgotischen König Theoderich I. und seine Truppen. Attila wird besiegt, überfällt dann noch die Poebene und zieht dann wieder zurück zur Theiß. 453 stirbt Attila in der Hochzeitsnacht mit der Germanin Hildico an einem Blutsturz. Bald kam es um Attilas Tod zur Mythenbildung z. B. wurde vermutet, Attila wurde durch seine Frau umgebracht. So auch Poeta Saxo im 9. Jh., der als Motiv Rache für den Vater vermutete. Hildico wurde von Forschern als Hildchen zu deuten versucht, aber dies ist eher unwahrscheinlich (Gottfried Schramm). Im 13. Jh. schrieb Simon von Kéza die "Chronica Hungarorum", deren Grundlage aber wohl ältere Quellen sind. In der Chronik wird von Machtkämpfen am hunnischen Hof nach Attilas Tod berichtet. Im Mittelpunkt stehen zwei Söhne Attilas, einer von einer Griechin, einer von der Germanin Crimildis. 15 Tage dauern die Kämpfe, in denen die Halbbrüder starben und die Hunnen untergingen. Erst drei Jahre nach Attilas Tod wird der Ostgotenkönig Theoderich der Große, der im Nibelungenlied als Dietrich von Bern auftaucht, geboren. Den Namen "von Bern" erhielt Theoderich nach der Stadt Verona. Eine ganz andere geschichtliche Grundlage des Stoffes vom Untergang der Burgunden sah Heinrich Kunstmann. In der These vom "bairischen Bulgarenmord" steht ein bulgarischer Stamm für die Burgunden. 631 oder 632 wurden sie von den Baiern auf Befehl des fränkischen Königs Dagobert I. bekämpft. Laut dem fränkischen Geschichtsschreiber Fredegar starben bei der Schlacht 8300 von 9000 Bulgaren. Alles in allem ist diese These von Kunstmann doch sehr unwahrscheinlich. Der Vergleich des Burgundenunterganges im Nibelungenlied mit den tatsächlichen Ereignissen im 5. Jh. liegt näher.

3. QUELLEN

Es gibt insgesamt 35 handschriftliche Überlieferungen des Nibelungentextes. Von manchen sind nur Bruchstücke erhalten. Bis auf eine Handschrift enthalten alle vollständigen Schriften die "Klage". Zwei Fragmente enthalten nur Verse aus der "Klage" und können so nicht als Quelle für das Nibelungenlied dienen. Ein Fragment enthält die Übersetzung des Nibelungenliedes ins Niederländische. Demnach gibt es also eigentlich nur 32 deutsche Handschriften des Textes, von denen die meisten in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz gefunden wurden. Die wichtigsten Handschriften sind in Karl Lachmanns Einteilung mit A, B und C bennannt worden: Handschrift A ist die Hohenems-Münchener Handschrift aus dem letzten Viertel des 13. Jh.. Handschrift B ist die St. Galler Handschrift aus dem 13. Jh.. Die Handschrift C ist die Hohenems-Laßbergische oder auch Donaueschinger Handschrift aus der 1. Hälfte des 13. Jh. Man geht von einem verlorenen Original aus, welches allen drei bzw. allen 32 Handschriften zugrunde liegt. Lachmann nahm an, dass Handschrift A dem "Original" am nächsten kommt und Version C die am weitestgehendsten veränderte der drei ist. Andere Forscher nach Lachmann sahen in der Handschrift B (z. B. Adolf Holtzmann) oder in Handschrift C (u.a. Friedrich Zarncke) die dem Original nahestehendste Version. Karl Bartsch entwickelte 1865 die These, dass das Nibelungenlied um 1140/50 entstand, um 1170/80 in zwei Versionen, *B und *C, bearbeitet wurde und die Handschriften B und C zwei Rezensionen dieser Bearbeitungen darstellen. Die Handschrift A ist bei Bartsch nur eine Abwandlung der Handschrift *B. *B blieb nach ihm näher am Original als *C. 1876 stimmt Hermann Paul Bartschs Thesen teilweise zu, die Datierung hält er jedoch für falsch. Früher als 1190 würde er die Entstehung des Epos nicht ansetzen. Im Jahr 1900 setzt Wilhelm Braunes die Handschrift B als die dem Original nahestehendste fest. Einig wurden sich die Forscher dennoch nie. In neuerer Zeit scheint sich durchgesetzt zu haben, daß der Archetypus nicht eindeutig bestimmt werden kann und daß jede Rekonstruktion des Archetypus niemals mit dem "Original" gleichgesetzt werden kann.

4. STOFFGESCHICHTE

Im Nibelungenlied sind drei Sagenkreise ineinander verflochten. Die Haupthandlung des Epos besteht aus der Brünhildsaga im ersten Teil und der Burgundensaga im zweiten Teil. Ein dritter Sagenkreis um die Abenteuer des jungen Siegfrieds wird lediglich kurz angedeutet (z. B. in der dritten Aventiure).

4.1) Die deutsche Nibelungendichtung
Nach Andreas Heusler entstanden im 5./6. Jh. zwei voneinander getrennte Lieder, die die beiden Hauptsagenkreise beinhalten: Das "Fränkische Brünhildlied" und das "Fränkische Burgundenlied". Ins 8. Jh. setzt Heusler ein "Bairisches Burgundenlied". Im 12. Jh. entstand dann nach ihm das "Jüngere Brünhildlied" spielmännischen Charakters und gegen 1160 das "Österreichische Burgundenepos", die sogenannte "Ältere Not". Aus der Verknüpfung und Anschwellung des "Jüngeren Brünhildliedes" und der "Älteren Not" entstand "Das Nibelungenlied". Diese Konstruktion entwickelte Heusler Anfang des 20. Jh.. Bis in die 50er Jahre galt sie fast unangefochten. Aber auch Kritik wurde an Heusler geübt. So seien seine Überlegungen zu sehr auf den süddeutsch-österreichischen Raum zentriert. Kurt Wais bezog im Gegensatz zu Heusler die gesamte alteuropäische Epik in seine Überlegung einer "westeuropäischen Nibelungendichtung" mit ein. Darüber hinaus ist es auch sehr unwahrscheinlich, daß sich das Nibelungenlied nur auf zwei Quellen bezieht, wie es Heusler nach seinem Stammbaum vermuten läßt. Viele Parallellieder sind wahrscheinlicher. Das mhd. Nibelungenlied ist die älteste deutsche Nibelungendichtung. Es gab Vermutungen, daß sich neben der "Thidrekssaga" in Norddeutschland eine mündliche Prosaerzählung des Nibelungenstücks entwickelte. 1990 weitete Heinz Ritter-Schaumburg seine umstrittene These von der Thidrekssaga im Rheinland auf das Nibelungenlied aus ("Rheinische Nibelungendichtung"). Zur Ottonenzeit soll im 10. Jh. in Passau eine lateinische Nibelungendichtung, die "Nibelungias" entstanden sein. 1973 beschrieb Reinhard Weskus, daß einige fränkische und bairische Familien die Nibelungengeschichte als Hausüberlieferungen weitergaben. Dies sollte bei einer Analyse der Stoffgeschichte beachtet werden.

Aus dem deutschen Raum sind noch weitere Nibelungengeschichten überliefert worden. Mitte des 13. Jh. erwähnt der fahrende Sänger Marner Kriemhilds Verrat an den Brüdern, Siegfrieds Not und den Nibelungenhort. Hugo von Trimmberg, der im "Renner" den Marner spielt, spricht vom Kriemhilden "mort", von Siegfrieds Drachen und auch vom Nibelungenhort. Im 16. Jh. wird "Das Lied vom Hürnen Seyfried" aufgeschrieben, dessen Ursprünge wohl bis ins 13. Jh. zurückreichen. Gybich ist hier der Vater Kriemhilds und so ist das Lied wohl näher an den nordischen Überlieferungen als das Nibelungenlied. 1557 entstand Hans Sachs' "Tragedi", die sich auf das "Lied vom Hürnen Seyfried" bezieht. Im Spätbarock entstand 1657 das aus dem Französischen übersetzte Volksbuch mit der Geschichte "Von dem gehörnten Siegfried" in Prosa. Unter anderem enthält es eine Kritik am Rokokoadel und dessen sexueller Unmoral, indem es prüde Sittsamkeit dagegen richtet. Nach dem Volksbuch politisiert sich die Nibelungenrezension dann zunehmend. Für die Stoffgeschichte des zweiten Teils des Nibelungenliedes ist der Anhang der Handschrift des "Straßburger Heldenbuch", die sogenannte "Heldenbuch-Prosa", die um 1480 niedergeschrieben wurde, zu beachten. Motive und Anspielungen auf das Nibelungenlied lassen sich in zahlreichen Dichtungen wiederfinden. So beschreibt gegen 930 Ekkehart I. von St. Gallen im "Waltharius" Hagens Vorgeschichte, die im Nibelungenlied in der 28. Aventiure in der Strophe 1756 und in der Aventiure 39. in den Strophe 2344 durchklingt. Aus dem "Ruodlieb" des 11. Jh. könnten Teile von Siegfrieds Biographie und seine Jagdausrüstung stammen.
Um 1160 erwähnt Metellus von Tegernsee ein deutsches Gedicht von Graf Roger und Dietrich. Wernhart von Steinsberg wird vom Sprachdichter Herger mit dem "guoten Rüdiger" verglichen. Saxo Grammaticus berichtet um die Jahrhundertwende von einem Lied, in dem die Treulosigkeit Kriemhilds gegenüber ihren Brüdern geschildert wird. Das Bahrrecht aus den Strophen 1043-1045 findet sich schon in Chrétiens "Yvain" und in der deutschen Entsprechung "Iwein" von Hartmann von Aue. Das Mutter-Tochter-Gespräch über die Liebe in Heinrich von Veldekes "Eneit" könnte dem Gespräch von Kriemhild und ihrer Mutter Ute zugrunde gelegen haben. Andere Nibelungenforscher haben besonders nach Motiven aus dem Mythen- und Märchenbereich gesucht. Friedrich Panzer z. B. verglich Siegfrieds Jugendtaten mit dem Märchen vom Bärensohn, Gunthers Brautwerbung mit den russischen Brautwerbermärchen und die Erweckung Brünhilds durch Siegfried mit Dornröschen. Letztlich erscheinen jedoch alle Parallelitäten mühselig konstruiert und vieles, wie z. B. die genaue Chronologie bleibt unklar.

4.2) Die nordische Nibelungendichtung
Die ältesten nordischen Dichtungen sind in dem sogenannten Codex Regius, auch "Ältere Edda" genannt, gesammelt. Sie entstand um oder nach 1250 in Island und enthält Götter- und Heldenlieder verschiedener Länge und Alter. Die Namen der Figuren weichen zum Teil stark vom Nibelungenlied ab. Das älteste Lied ist das "Alte Atlilied" aus dem 9. Jh., die jüngsten Lieder stammen aus dem 13. Jh.. Circa 16 Seiten sind in der Überlieferung verlorengegangen und können nur durch eine erhaltene Inhaltsangabe aus dem 13. Jh. und der Völsungasaga rekonstruiert werden. In der "Edda" wird von Siegfrieds, der hier Sigurd heißt, Aufwachsen und seinen Jugendtaten berichtet, aber auch die Brünhildsaga und der Burgundenuntergang sind enthalten. Das "Fränkische Brünhildlied" und das "Fränkische Burgundenlied" aus dem Stammbaum des Nibelungenlieds nach Heusler entsprechen den inhaltlich ähnlichen Liedern der "Älteren Edda" wie z.B. die "Sigurd-Lieder" und die "Atli-Lieder".
Im 13. Jh. entstanden die Prosawerke "Jüngere Edda", "Thidreksaga" und "Völsungasaga", die alle drei die Nibelungensaga beinhalten. Die "Völsungasaga" wurde von einem Isländer in Norwegen geschrieben, der sich in eng an den Codex Regius hielt. In der "Thidrekssaga" geht es hauptsächlich um Dietrich von Bern, aber nebenbei finden sich auch andere Sagenstoffe wie Sigurds Jugend, Sigurds und Gunnars Heirat, Sigurds Tod und Grimhilds Rache hier wieder. Wahrscheinlich basiert sie, wie auch das Nibelungenlied, auf dem "Jüngeren Brünhild-Lied" und der "Älteren Not" (vgl. Heusers Stammbaum). Der Verfasser bezieht sich auf die niederdeutsche Heldendichtung, genauer gesagt auf die Erzählung von deutschen Männern aus Soest, Bremen und Münster, wahrscheinlich hansische Kaufleute. Die "Jüngere Edda" wurde in den dreißiger Jahren des 13. Jh. geschrieben und sollte ein Lehrbuch für die komplizierte Skaldendichtung sein. Die letze nordische Prosadarstellung des Nibelungenuntergangs ist die "Hvensche Chronik", die im 16. Jh. in lateinisch verfaßt wurde und in einer dänischen Übersetzung aus dem 17. Jh. erhalten geblieben ist.


5. WIDERSPRÜCHE UND UNGEREIMTHEITEN

Bei der Verknüpfung verschiedener Überlieferungen zu dem einen Epos "Nibelungenlied" scheint es nicht verwunderlich, daß an manchen Textstellen Ungereimtheiten auftreten. So wird z. B. in Strophe 1912 berichtet, daß Kriemhild ihren Sohn an die Tafel bringen läßt, um den Beginn des Kampfes zu provozieren. Im späteren Verlauf der Handlung beginnt der Kampf jedoch unabhängig von dem Kind. Aus der Thidrekssaga wird diese Strophe verständlich. Dort beginnt der Kampf, indem Kriemhilds Sohn Hagen ohrfeigt. Auch die Strophe 1573, in der Hagen zehntausend Männer über den Rhein rudert, wird nur durch die Annahme einer älteren Vorlage, in der es nur wenige waren, glaubwürdig.
Andere Ungereimtheiten entstanden wahrscheinlich auch durch das mündliche Weitergeben der Geschichte. Z.B. verspricht Kriemhild Hagen in der 15. Aventiure, ein Kreuz auf Siegfrieds einzige verwundbare Stelle zu nähen, damit Hagen Siegfried beim Kampf beschützen kann. Später bei der Jagd trägt Siegfried aber laut Strophe 912 ein "edel pirsgewant" und nicht mehr sein Kampfgewand. Dennoch ersticht Hagen in Strophe 981 Siegfried mit einem Speer an der durch ein Kreuz markierten Stelle. An anderen Textstellen ist der Verfasser des Nibelungenliedes etwas ungenau. Es bleibt z. B. offen, ob Siegfried nun in Strophe 860 den Eid schwor oder nicht. Auch der Raub des Nibelungenhortes und die Rolle der drei Könige dabei bleibt sehr unklar.


6. ZEIT UND ORT DER ENTSTEHUNG

Ein oft genannter Bezug ist der zu Wolfram von Eschenbachs "Parzival". So erscheint im 8. Buch des "Parzival" ein Bezug zu Rumolt, dem Küchenmeister der Burgunden. Unklar ist aber, ob Wolfram Fassung *B oder *C kannte und ob *C vor oder nach dem "Parzival" entstand. Durch die Anspielung auf die Zerstörung der Erfurter Weingärten im Sommer 1203 und der Erwähnung, daß die Spuren noch zu sehen sind, läßt sich das 7. Buch des "Parzival" auf das Jahr 1204 oder 1205 datieren, das 8. Buch wird ungefähr im selben Zeitraum entstanden sein. Zumindest die Rezension *B muß also 1204 vorgelegen haben.
Die Namen Zazamanc (Strophe 362) und Azagouc (Strophe 439) kommen im Nibelungenlied wie im "Parzival" vor, und zwar schon im ersten Buch. Karl Lachmann, Friedrich Panzer und Werner Schröder nahmen an, daß sie der Nibelungendichter von Wolfram übernommen hat. Aber auch andersherum könnte es gewesen sein. Wenn man nun annimmt, daß Wolfram um 1198 mit dem "Parzival" begann, könnte auch das Nibelungenlied in dieser Zeit zwischen 1198 und 1204 entstanden sein. Dagegen ist anzumerken, daß das 1. Buch des "Parzival" wahrscheinlich nach den Büchern 5 und 6 geschrieben wurde. In jüngerer Zeit wird wieder häufiger die These angenommen, daß Wolfram die Namen Zazamanc und Azagouc vom Nibelungenlied übernommen hat. So müßte das Nibelungenlied bereits vor 1198 entstanden sein. Emil Ploss ist ein Vertreter dieser These. Er nahm an, daß das Nibelungenlied in den 90er Jahren des 12. Jh. geschrieben wurde. Norbert Voorwinden erwähnt 1976 die Möglichkeit, daß die Namen Azagouc und Zazamanc auch später erst in das Nibelungenlied eingefügt worden sein könnten und deshalb für die Datierung nicht herhalten. Letztlich bleibt die genaue Datierung unsicher, auch wenn man davon ausgehen kann, daß das Nibelungenlied und "Parzival" im selben Zeitraum entstanden.
Ein anderer Versuch, das Epos zu datieren, ist der Vergleich der Hochzeit Kriemhilds und Etzels in Wien mit der historischen Hochzeit von Leopold VI. von Österreich mit Theodora, Enkelin des byzantinischen Kaisers Isaak Angelo, 1203 in Wien. Bischof Wolfger von Passau segnete die Ehe. Diese These wurde u. a. 1840 von Anton Ritter von Spaun und später von Friedrich Panzer verfolgt. Willy Krogmann vergleicht die Nibelungenhochzeit mit der Hochzeit Leopolds V. mit Helena 1174 in Wien. Aber das ist ebenso unsicher. Auch kann der Dichter des Nibelungenliedes von einer Hochzeit inspiriert worden sein und sie nach der Vollendung des Epos hinzugefügt haben bzw. nachträglich die Hochzeit von Etzel und Kriemhild nach Wien verlegt haben.
Mehrere Indizien sprechen für die Entstehung des Nibelungenliedes im bairisch-österreichischen Raum. Die geographischen Kenntnisse des Dichters sind im Raum zwischen Passau und Wien am genauesten. Häufig wurde angenommen, daß das Nibelungenlied in Passau geschrieben wurde. Im Nibelungenlied und in der Nibelungenklage taucht der Bischof Pilgrim von Passau als Bruder Utes auf. Von 1191 bis 1204 war Wolfger von Erla Bischof von Passau. Er wurde als Gönner von fahrenden Künstlern bekannt, so schenkte er z. B. 1203 Walther von der Vogelweide einen Pelzrock. Ob er auch der Mäzen des unbekannten Nibelungendichters war, bleibt offen.

Sämtliche Bezüge zu Passau könnten aber auch erst in eine Rezension des Originals eingefügt worden sein. Die Erwähnung des Bischofs von Passau im Nibelungenlied ist aber wahrscheinlich als Ehre für Wolfger von Erla zu deuten.

7. DER DICHTER

Der Verfasser des Nibelungenliedes ist nicht bekannt, was sicherlich auch darin begründet liegt, daß die Anonymität bei den mittelalterlichen germanischen Heldenliedern und in der Heldenepik gattungstypisch ist. Die Verfasser sahen sich eher als Vermittler von germanischer Tradition statt als Schöpfer einer Dichtung. Im Gegensatz dazu nannten sich die Dichter höfischer Romane häufiger. Dennoch gab es zahlreiche Versuche, mehr über den Verfasser des bedeutendsten mittelhochdeutschen Heldenepos in Erfahrung zu bringen.

Bei der Frage nach dem Stand des Dichters sind verschiedene Positionen vertreten worden. Gegen die These des Verfassers als Spielmann spricht, daß eine genaue Kenntnis höfischen Lebens und sehr gute Bildung erkennbar ist. Man nimmt an, er kannte eine große Auswahl zeitgenössischer deutschsprachiger, französischer und mittellateinischer Dichtung, wahrscheinlich auch Vergils "Aeneis" und religiöse Literatur. Darüber hinaus wird seit Hans Naumann der Spielmannsbegriff als problematisch betrachtet. "Spielmann" hat nicht dieselbe Bedeutung wie der "spilman" im Mittelhochdeutschen. Als "spilman" wurde z. B. ein in der sozialen Hierarchie ganz unten stehender Unterhaltungskünstler bezeichnet. Im Gegensatz zu ihm wurden die wandernden Berufsdichter, die durchaus gebildet waren, als "Fahrende" bezeichnet. Andere Forscher wie Hans Naumann, Nelly Dürrenmatt und Helmut de Boor vermuteten, daß der Dichter des Nibelungenliedes aus dem Ritterstand stammte. Dazu paßt seine genaue Kenntnis in manchen Bereichen des höfischen Lebens, wie z. B. von den Festen und der Minne. An anderen Stellen jedoch, wie bei der Jagd, ist kein besonderes Fachwissen erkennbar. Darüberhinaus ist die Darstellung ritterlichen Lebens nichts Besonderes, wenn man bedenkt, daß das Epos für die höfische Gesellschaft geschrieben wurde. Es läßt sich also nicht eindeutig belegen, daß der Dichter aus dem Ritterstand stammte.
Eine andere Möglichkeit ist es, den Dichter als Kleriker zu sehen, allerdings im Sinne eines weltlich und theologisch gebildeten Mannes, nicht als Geistlichen. Ein Kleriker könnte z. B. Hofbeamter gewesen sein.
Eine andere Position vertrat 1970 Rolf Bräuer, der den Dichter des Nibelungenliedes als Angehörigen des Stadtbürgertums sah. Aber diese These gilt als sehr abwegig, ebenso wie die Vermutung, das Nibelungenlied wäre von einer Frau verfaßt worden, wobei speziell Fassung *C frauenfreundlich sein soll.
Als wahrscheinlich gilt heute die These, nach der der Verfasser ein theologisch gebildeter Berufsdichter aus dem Stand der Fahrenden war, der wohl aber die meiste Zeit seßhaft blieb.
Immer wieder wurde versucht, den Namen des Dichters zu finden, dabei wurde das Epos Wolfram von Eschenbach, Wirnt von Gravenberg, Konrad von Fußesbrunnen, Abt Sigehart von Lorsch, Konrad von Würzburg, dem Kürenberger, Walther von der Vogelweide und Heinrich von Ofterdingen zugeschrieben. Eindeutig geklärt wurde die Verfasserschaft bisher jedoch nicht.

Literaturangabe:
1) "Das Nibelungenlied"; Hrsg. Helmut Brackert; Fischer Verlag; Frankfurt am Main 1976
2) Hoffmann, Werner; "Das Nibelungenlied"; 6. Auflage; J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung; Stuttgart 1992
3) Ehrismann, Ottfried; "Nibelungenlied, Epoche - Werk - Wirkung"; Hrsg. Wilfried Barner und Gunter E. Grimm; C. H. Beck′sche Verlagsbuchhandlung; München 1987
4) dtv-Atlas zur deutschen Literatur; 7. Auflage; Deutscher Taschenbuch Verlag; München 1996

(Quelle: http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/lim/236.html)

Der Text der Handschrift A, B, C und N des Nibelungenliedes zum Download
Transkription von Hermann Reichert, Institut für Germanistik, Universität Wien
(inkl. Fußnoten und Erklärung der verwendeten Zeichen als Textdatei bzw. Worddokument)

Die Nibelungenlied Handschrift C - DIGITAL
Das Faksimile der Handschrift C - mit Kommentaren und einer gesprochenen Fassung
von Lothar Voetz. Zur Verfügung gestellt durch die Badische Landesbibliothek Karlsruhe