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ROSENGARTEN
ZU
WORMS

Einritt in Worms, Rosengarten zu Worms, 15. Jh.

Die dritte Aventüre des Nibelungenliedes beschreibt die Ankunft Siegfrieds in Worms. Er wurde von 12 auserwählten Rittern begleitet und forderte König Gunther zum Kampf um Krone und Reich heraus. In erster Linie ging es ihm darum Gunthers Schwester Kriemhild zu gewinnen.

In ähnlicher Weise kennen wir dieses Motiv aus dem wenige Jahre nach dem Nibelungenlied erschienenen Rosengartenlied. Dabei handelt es sich um eine eher volkstümliche Erzählung des 13.Jh. Dieses Lied zählt zu den im deutschen Hochmittelalter geläufigsten Versionen der Nibelungensage, denn wer in jener Zeit von Kriemhild sprach, meinte damit weniger die Jungfrau des Nibelungenliedes, sondern vielmehr die Königin des Rosengartens.

Der Inhalt dieses Liedes steht dem des großen Epos konträr gegenüber. Hier übernimmt Siegfried nicht die heldenhafte Rolle des Drachentöters, denn er ist selbst derjenige, der bezwungen wird. In einer ursprünglichen Version starb Siegfried möglicherweise sogar im Rosengarten. Kriemhild hingegen tritt nicht als holdes Mägdlein auf, sondern besitzt noch die "grimmigen" Qualitäten, denen sie ihren Namen verdankt (Kriemhild/Grimhild gilt als Ableitung von grimmige Hild).

Zu Worms am Rhein legt Kriemhild einen, von einer goldenen Borde umzogenen, Rosengarten an. In seinem Zentrum steht eine große Linde, auf deren Ästen kunstvoll geschmiedete Vögel sitzen. Der Garten wird von den 12 Wormser Helden behütet, dies sind u.a. Gunther, Gernot, Hagen und Siegfried.

Kriemhild sendet Dietrich von Bern eine Herausforderung; er solle mit seinen elf besten Rittern im Wormser Rosengarten um die Ehre kämpfen. Der Siegerpreis ist in erster Linie ein Kuss der Prinzessin sowie ein Kranz aus Rosen, beiläufig geht es auch um Krone und Reich. Dietrich nimmt die Herausforderung an. Es finden zwölf Einzelkämpfe im Rosengarten statt, die alle zu Gunsten der Berner enden. Kriemhild muss küssen, der Garten wird zerstört und Worms bekommt einen neuen Herrscher.

Dietrich von Bern (feuerspeiend) bedrängt Siegfried
Rosengarten zu Worms', 15. Jh. (Cod. Pal. germ 359, Fol. 49r)

Die gleich zu Beginn des Liedes erwähnte goldene Borde um den Rosengarten herum lässt sich als Tabulinie oder Tabuband interpretieren und deutet auf eine sehr alte Tradition (Die Trennung des Heiligen vom Profanen). Der Rosengarten wird - auch im Lied selbst - mehrfach mit dem Paradies verglichen und somit quasi als heiliger Ort beschrieben.

Weitere Informationen zu der in diesem Zusammenhang nicht weniger wichtigen Linde im Zentrum des Gartens sowie zu der mystischen Bedeutung des Rosengartens im Allgemeinen finden Sie unter "Rosengärten"

DER LAURIN

Dieses Gedicht wird im Gegensatz zum "Großen Rosengarten" von Worms, auch als der "kleine Rosengarten" bezeichnet.

Der reiche und mächtige Zwergenkönig Laurin besitzt einen Rosengarten in den Tiroler Alpen. Um seinen Garten herum spannt sich, ähnlich wie um den Wormser Rosengarten, ein seidener Faden, ebenso wird die Linde erwähnt und die dazugehörigen Vögel. Wer Laurins Rosengarten unrechtmäßig betritt, büßt als Pfand seinen linken Fuß und die rechte Hand - ein Element, dem wir auch im Waltarius wieder begegnen. Der Zwergenkönig besitzt dank magischer Zaubermittel die Kraft von zwölf Männern, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Die Geschichte handelt von der Befreiung Kunhilds, die unfreiwillig zur Königin der Zwerge wurde. Der siegreiche Held ist dabei, wie auch im Wormser Pendant Dietrich von Bern. Für Dietrich gilt es hier aber die Prinzessin zu befreien und nicht wie in Worms sie zu erobern (wobei man bedenken sollte, dass gerade diese beiden Begriffe oftmals für ein und die gleiche Tat benutzt werden - je nach Sichtweise des Betrachters).


Der Rosengarten zu Worms - DIGITAL
Einführung und digitale Volltext-Präsentation der Universität Heidelberg