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DEUTSCHE
N
IBELUNGEN SAGE

Bligger von Steinach, Codex Manesse, 14. Jh.

Götter- und Heldenlieder wurden über die Jahrhunderte hinweg nur mündlich überliefert, die meisten dieser Gesänge gingen verloren, nur die wenigsten wurden zu irgendeiner Zeit niedergeschrieben. Von Karl dem Großen wird behauptet, er habe die alten Heldenlieder um das Jahr 800 sammeln und aufzeichnen lassen, doch leider hat (angeblich) schon sein Sohn Ludwig der Fromme in seinem kirchlichen Eifer dieses unvorstellbar wertvolle Kulturgut vernichten lassen, weil sich deren Inhalte kaum mit seiner christlichen Frömmigkeit vereinbaren ließen.

Am Anfang der deutschen bzw. mitteleuropäischen Überlieferung der Nibelungensage steht der Waltarius, hier begegnen wir erstmals König Gunther und Hagen (von Troja) am Hof zu Worms. Der Mönch, der diese Geschichte um 900 niederschrieb persiflierte damit vermutlich eines der zu seiner Zeit gesungenen Heldenlieder. An eine ernsthafte Auseinandersetzung mit derart heidnischen Geschichten war in dieser Zeit nicht zu denken.

Es sollten auch etwa 300 Jahre vergehen, bis ein unter dem Denkmantel der Anonymität versteckter Dichter sich erneut an diesen brisanten Stoff heranwagt. Das Nibelungenlied entsteht.
Außer den zwei Protagonisten Gunther und Hagen, dem Ort des Geschehens (nämlich Worms) und der Tatsache, dass ein Ritter zwölf Wormser herausfordert, hat das Nibelungenlied kaum etwas mit dem Waltarius zu tun.
Es muss noch eine lebendige mündliche Überlieferung gegeben haben, die offensichtlich über ganz Deutschland und große Teile Europas verbreitet war.
Zum einen gab es die märchenhafte Sage um den Jüngling, der so stark war, dass er beim Schmieden den Amboss in die Erde trieb, der scheinbar unbezwingbare Drachen tötete und eine Jungfrau erlöste.
Zum anderen gab es eine "historische" Sage, die von dem Burgundenuntergang durch die Hunnen berichtete. Diese beiden Hauptstränge vereinigten sich schon sehr früh zu einer Geschichte (mit einer mythischen und einer historischen Ebene).

Kurze Zeit nach dem Nibelungenlied wird das Lied vom "Rosengarten zu Worms" gedichtet.
Es hat deutliche Parallelen zu dem viel älteren Waltarius, in beiden Fällen können wir von einer Zwölfkampfdichtung sprechen. Mit dem Nibelungenlied hingegen hat die Dichtung vom Rosengarten wenig gemein; bezüglich der Popularität löste das eher profane und einfach gestrickte Rosengartenlied das große Nibelungenlied schon sehr bald ab.

Gegen Ende des 15. Jh schließlich erscheint erstmals das "Lied vom Hürnen Seyfrid" (Seyfridlied). Vermutlich ist das Lied älter, denn ein Darmstädter Aventiurenverzeichnis listet die Titel bereits um 1420. Fragmente dieser Sage könnten sogar älter als das Nibelungenlied sein (das ist natürlich Spekulation). Der Drachentöter des Seyfridliedes nähert sich inhaltlich jener Version der Nibelungensage, die wir von den älteren Liedern der nordischen Edda kennen.

1557 entstand Hans Sachs' "Tragedi", die das "Lied vom Hürnen Seyfried" mit Elementen des Rosengartenliedes verbindet. Mitte des 17. Jh. entstand das (wieder einmal mehr seiner Zeit angepasste) Volksbuch mit der Geschichte "Von dem gehörnten Siegfried" in Prosa. Siegfried pflegt nun barocke Manieren und Kriemhild verwandelte sich zu Florigunda. Bis zur Wiederentdeckung des Nibelungenlieds im 18. Jh. verflachte die Sage vollends.