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SEYFRIDLIED
DAS LIED VOM HÜRNEN SEYFRID






Inhalt
I.
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Wie Seyfrid hürnen ward


1.

Es saß in Niederlanden Ein König wohlbekannt,
An Macht war er gewaltig, Siegmund ward er genannt.
Dem ward von seiner Frauen Ein Sohn, der hieß Seyfrid:
Des Wesen sollt ihr hören Allhier in diesem Lied.

2.

Der Knabe war mutwillig, Dazu so stark und groß,
Daß Vater sein und Mutter Das Ding gar sehr verdroß.
Sein Lebtag keinem Menschen Wollt er sein untertan:
Ihm stand danach sein Sinnen, Daß er nur zög hindann.

3.

Des Königs Räte sprachen: "Nun laßt ihn ziehn hindann,
Will er nicht länger bleiben, Das ist der beste Plan.
Laßt ihn sich denn versuchen, Das bändigt ihn fürwahr;
Er wird ein kühner Recke, Lebt er noch ein paar Jahr."

4.

So schied also bald von dannen Der junge, kühne Mann.
Da lag vor einem Walde ein Dorf, das lief er an.
Er kam zu einem Schmiede, Dem wollt er dienen recht,
Ihm auf das Eisen schlagen Als zweiter Schmiedeknecht.

5.

Er schlug entzwei das Eisen, Den Amboß in die Erd
Und hat sich, ward ihm Strafe Deshalb, nicht dran gekehrt.
Er schlug den Knecht und Meister, Trieb hin und her die zwei;
Oft dachte nach der Meister, Wie er sein würde frei.

6.

Nicht weit bei einer Linde Ein großer Drache lag:
Da schickt ihn hin der Meister, Daß er dort frage nach.
Des Köhlers sollt er warten, Der dorten saß im Tann,
daß er zum Lindenbaume Ihm Kohlen brächt heran.

7.

Der Drache sollt ihn töten, So dachte der böse Mann.
Da er nun kam zur Linde, Griff er den Drachen an
Und hatt ihn bald erschlagen, Der junge, kühne Mann:
Da dacht er an den Köhler, Ging zu ihm in den Tann.

8.

Er kam zu einer Wildnis. So viel Gewürm lag da,
Lindwürme, Kröten, Ottern, Wie er noch niemals sah
In seinem Leben liegen Im bergumtürmten Tal.
Da holt er viele Bäume, Die er ausriß überall.

9.

Die warf er auf die Würme, Daß keiner konnte fort
Und alle bleiben mußte, So viel auch waren dort.
Dann lief er hin zum Köhler, Bei dem er Feuer fand.
Das Holz ward angezündet Und das Gewürm verbrannt.

10.

Der Würme Hornhaut weich ward, Floß wie ein Bächelein;
Seyfrid, darob verwundert, Den Finger stieß hinein.
Da ward wie Horn der Finger, Sobald er wurde kalt,
Drum badet er im Bache den ganzen Leib alsbald.

11.

Da ward sein Leib ihm hürnen Bis auf die Stell allein
Zwischen seinen Schultern, Wo er das Leben sein
Verlor, wie euch in andern Gedichten wird gesagt.
Er zog zu König Gibich an Mannheit unverzagt.

12.

Gar willig diente dem König Er seine Tochter ab,
Bis daß der König Gibich Sie ihm zum Weibe gab;
Die hatt er wohl acht Jahre. Nun hört, was da erging,
Und wie er, eh sie sein ward, Vollbrachte Wunderding.

13.

Nun mögt ihr gerne hören Vom Nibelungenhort;
Man fand bei keinem Kaiser So reichen Schatz hinfort.
Den fand der kühne Seyfrid An einer Felsenwand,
Ein Zwerg hielt ihn verschlossen, Der Niblung war genannt.

14.

Als tot in seinem Berge Zwerg Niblung verblieb,
Ließ er drei junge Söhne, Denen war der Schatz auch lieb.
Sie saßen in dem Berge Und hüteten den Hort,
Um den sich bei den Heunen Hub jämmerlicher Mord

15.

An manchen kühnen Helden, Den man dort niederschlug
Im harten Streit. Die Märe Erzählt davon genug.
Niemand entrann lebendig Das sei euch wohlbekannt
Als Dietrich, Herr von Berne, Und Meister Hildebrand.


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