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SEYFRIDLIED
DAS LIED VOM HÜRNEN SEYFRID






Inhalt
VII.
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Wie Seyfrid den Drachen erschlug
und den Hort in den Rhein schüttete


143.

Da ward der edle Seyfrid Erfüllt von Todesmut,
Sein Schwert nahm er zu Händen Und stieg zum Stein in Wut.
Da flüchtete vom Steine Der jungen Drachen Schar
Und eilte ihre Straße, Daher sie kommen war.

144.

Doch blieb der alte Drache Und Seyfrid bracht in Not;
Ihm gingen aus dem Rachen Flammen blau und rot.
Oft stieß er heftig Seyfrid, Daß er zu Boden sank;
Noch nie mußt er erleiden Solche Not sein Leben lang.

145.

So teufelisch der Drache Mit seinem Schweife focht,
Daß er den kühnen Seyfrid Gar oft darin verflocht
Und meint herabzuwerfen Ihn von dem hohen Stein.
Seyfrid mußt aus der Schlinge Sich springend oft befrein.

146.

Held Seyfrid schlug mit Grimme Den Wurm wohl auf das Horn;
Nicht lang konnt er es treiben, Daß er ihn schlug von vorn:
Er schlug ihn an den Seiten Auf das gehürnte Dach,
Doch mußt auch er erleiden Vom Drachen Ungemach.

147.

Ganz weich schlug er das Horn ihm Mit seinem Schwerte gut;
Auch strömte von dem Drachen Selbst so gewaltge Glut,
Als wenn ein Fuder Kohlen Erglüht in vollstem Brand;
Da wurde weich die Hornhaut Und kam herabgerannt.

148.

Er hieb ihn voneinander Mit manchen Schwertesstreich;
Ein Teil fiel von dem Steine Und barst in tücke gleich,
Ein Teil stieß er vom Steine Zum Abgrund unverweilt.
Da kam die Maid, die hehre, Zu ihm hinaufgeeilt.

149.

Hin sank er von der Hitze, Nicht wissend, wo er war;
Vor Müdigkeit und Ohnmacht Ward er der inne bar,
Nicht hört er und nichts sah er, Niemand hätt er erkannt,
Ihm war die Farb entwichen, Kohlschwarz der Mund verbrannt.

150.

Als seine Kraft er wieder Gewann nach langer Zeit,
Setzt er sich wieder aufrecht Und schaute nach der Maid:
Da sah er bleich sie liegen, Ein Jammer war's, wie tot.
Er sprach:" O Gott, vom Himmel, Erbarm dich meiner Not!"

151.

Er kniet an ihrer eite Und rief: "Daß Gott erbarm!
Soll ich dich tot heimführen?" Er nahm sie in den Arm.
Da kam das Zwerglein Eugel Und sprach mit treuem Mund:
"Ein Wurz geb ich dem Mägdlein, Damit es wird gesund."

152.

Sobald die Wurz zum Munde Das arme Mägdlein nahm,
Saß es gleich wieder aufrecht Und zu sich selber kam.
Sie sprach: "TU, edler Seyfrid, Mir deine Hilfe kund,"
Umhalste ihn herzinnig Und küßt ihn auf den Mund.

153.

Da sprach zum kühnen Seyfrid Eugel, der edle Zwerg:
"Kuperan, der falsche Riese, Unterwarf sich unsern Berg,
Darin wohl tausend Zwerge Ihm wurden untertan:
Wir zinsten unser Eigen Dem ungetreuen Mann.

154.

"Nun habt ihr uns erlöset, Befreit uns von dem Bann,
Drum wollen treu euch dienen Wir alle Mann für Mann;
Ich will euch heim geleiten, Euch und das Mägdelein;
Ich weis euch Weg und Stege Nach Worms hin nach dem Rhein."

155.

Nach seinem Heim er führte Sie in den Berg hinein
Und brachte freudig beiden Zur Labe Speis und Wein,
Das beste, das man haben, Was man erdenken kann,
Was nur ihr Herz begehrte, Fand in dem Berge man.

156.

Abschied nahm dann Herr Seyfrid Von Eugel, dem König hehr,
Und seinen Brüdern, Die Könige, wie er.
Die werten Könge sprachen: "Du Degen, kühn im Streit,
Dahin starb unser Vater Niblung vor Herzeleid.

157.

"Bracht Kuperan der Riese Euch hier in Todesnot,
So war es aller Zwerge, Die hier im Berge, Tod,
Weil wir Euch von dem Schlüssel Des Kuperan gesagt,
Der zu dem Stein gehörte, Darauf lag die edle Magd.

158.

Das habt ihr abgewendet, Durch euren kühnen Streit;
Das müssen wir euch danken, Ihr Held voll Herrlichkeit.
Drum wolln wir euch begleiten, Euch und die hehre Maid:
Von uns mit euch ziehn tausend, Daß euch gescheh kein Leid."

159.

"Nein," sprach Seyfrid der Degen, "Bleibt nur an eurem Ort,"
Setzt hinter sich das Mägdlein Und trieb die Zwerge fort.
Allein den König Eugel Nahm er als Geleit an.
Da sprach zu ihm Held Seyfrid: "Nun sag mir, wackrer Mann,

160.

"Laß deine Kunst mir nützen, Astronomie genannt,
Dort auf dem Drachensteine Hast du heut früh erkannt
Die Stern und ihre Zeichen, Wie wird's ergehn uns zwein,
Mir und dem schönen Weibe, Wie lang nenn ich sie mein?"

161.

Da sprach das Zwerglein Eugel: "Das sei dir bald vertraut:
Du hst sie nur acht Jahre, Das hab ich wohl geschaut.
Dann setzt man deinem Leibe Mit Mörderhänden zu,
Ganz ohne dein Verschulden Kommst um das Leben du.

162.

"Dein Sterben wird dann rächen Dein wunderschönes Weib,
Manch Held muß drum verlieren Leben noch und Leib,
So daß auf Erden nirgends Ein Held am Leben bleibt.
Wo lebt ein Held auf Erden, Der also ist beweibt?"

163.

Geschwind sprach Seyfrid: "Ist mir Gesetzt so kurzes Ziel
Und werd ich so gerochen, Frag ich danach nicht viel,
Von wem ich werd erschlagen." Der Zwerg die Red ihm bot:
"Ja , auch dein Weib, das schöne, Erliegt in Streites Not."

164.

"Nun kehre wieder heimwärts," Sprach Seyfrid zu dem Zwerg.
So schieden sie voll Jammer. Heimwärts zu seinem Berg
Schied wieder König Eugel. Da fiel es Seyfrid ein,
Wie er hatt lassen liegen Den Schatz dort in dem Stein.

165.

Nun hatt er zwei Gedanken: Er dacht an Kuperan,
Er dacht auch an den Drachen, Daß der den Schatz häuft an;
Er dacht ihn hätt gesammelt Der Wurm nach Menschensinn,
Wenn er zum Menschen würde, Nähm er ihn mit sich hin.

166.

Er sprach: "Da ich mit Nöten Den Drachenstein gewann,
So erbt, was ich gefunden Darin zu Recht mir an."
Er ritt, den Hort zu holen. Sein schönes Weib und er
Sein Roß damit beluden Und trieben's vor sich her.

167.

Und als er kam zum Rheine, Dacht er in seinem Mut:
Leb ich so kurze Zeit nur, Was soll mir dann das Gut?
Und sollen alle Recken Um mich verloren sein,
Was soll das Gut dann werden? Da warf er's in den Rhein.

168.

Nicht wußt er, daß die Erben Von Nibelung dem Zwerg,
Die Zwergenkönge, hatten Versteckt den Schatz im Berg.
Sein Sohn, das Zwerglein Eugel, Wußt nicht, daß er verbracht,
Er meint, er wär verborgen Noch tief im Bergesschacht.
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