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SEYFRIDLIED
DAS LIED VOM HÜRNEN SEYFRID






Inhalt
VIII.
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Was sich mit Seyfrid weiter begab


169.

Da kam dem König Gibich Alsbald die frohe Mär,
Daß seine schöne Tochter Bald wieder bei ihm wär,
Und wie vom grausen Drachen Befreiung ihr geschafft.
Gibich ließ bald entbieten Die ganze Ritterschaft.

170.

Sie ritten all entgegen Seyfrid, dem werten Mann,
Kein Kaiser je auf Erden So große Ehr gewann.
Der König sandte Botschaft In manches Reich und Land,
Den Königen und Fürsten Macht er die Mär bekannt,

171.

Damit ein jeder käme Nach Worms hin an den Rhein
Zu seiner Tochter Hochzeit. Die Fürsten ritten ein.
Bei Hof, wie's Fürsten ziemet, Emfing man herrlich sie;
Worms sah in seinen Mauern So viele Fürsten nie.

172.

Der Hochzeit Feier währte Zwei Wochen und manchen Tag,
Wo man turniert und rannte Und Ritterspiele pflag.
Sechzehn Turniere hielt man, Bevor man ritt hindann.
Mit Futter und mit Kleidern Versah man Roß und Mann.

173.

Seyfrid bot gut Geleite Und hielt ein stark Gericht:
Wenn einer Gold auch führte, Sich fürchten braucht er nicht.
So hatt er alle Dinge Kraftvoll und wohl bestellt.
"Der Teufel will's," sprach Günther, "Daß man so wert ihn hält

174.

"Vor andern kühnen Helden, Was deren Ehren schwächt,
Die auch so gut von Adel, Wie er ist von Geschlecht.
Dabei trägt er alltäglich Die volle Waffenzier
Und schätzt damit die Helden Gering im Lande hier."

175.

Da sprach der grimme Hagen: "Er ist der Schwager mein,
Will er das Land regieren Bei uns hier an dem Rhein,
So mag er sich wohl hüten, Daß er's in nichts verdirbt,
Denn sonst bin ich der Erste, Von dessen Hand er stirbt."

176.

Da sprach Gernot der Degen: "Seyfrid sich schlecht beriet,
Von meinen Händen gäb ich Gern hin das beste Glied,
Wenn unser Vater Gibich Mit uns hätt gleichen Sinn,
Und treibt es auf die Länge, Sag ich, zum Bösen hin."

177.

So war von Haß erfüllet Der drei Geschwäger Sinn,
Bis daß ihr Neid und Hassen Es endlich trieb dahin,
Daß Seyfrid ward erschlagen. Ob einem Bronnen kalt
Erstach der grimme Hagen Ihn in dem Odenwald.

178.

Zwischen beiden Schulter Stach er ihn todeswund,
Als sich im Brunnen kühlte Der Degen Lipp und Mund.
Sie waren um die Wette Gelaufen dort im Hag
Und Hagen war's befohlen, Daß er ihn dort erstach.

179.

Wer von Kriemhildens Brüdern Mehr hörte gerne wohl,
Den will ich unterweisen, Wo er es finden soll:
Ihm wird in Seyfrid Hochzeit Ausführlicher Bericht,
Was vorging die acht Jahre. Hier endet das Gedicht.


( zit. nach: Karl Pannier, Der hürnene Siegfried , Leipzig: Reclam 1913)



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