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WALTHARIUS

Waltarifelsen am Donnersberg, Foto: Eichfelder

Aus der Zeit um 900 n. Chr. stammt eines der ältesten deutschen Heldenepen, der Waltarius bzw. das Waltarilied und mit ihm betreten wir das große Archiv der Nibelungensagen. Bei dem Waltarilied scheint es sich aber bereits um die Verballhornung einer im Volk vertrauten, älteren Sagentradition zu handeln. Ein kluger Mönch (Ekkehart I. von St. Gallen) hat sie uns mit spitzer Feder in lateinischer Sprache überliefert. In dieser Geschichte begegnen wir erstmals König Gunther, dem Herrscher von Worms, der uns hier noch als Franken- und nicht als Burgunderkönig gegenübertritt.

Die Geschichte lässt sich wie folgt zusammen fassen:
Hagen (von Troja), Hildgund und Walter wachsen als Geiseln am Hof König Attilas auf. Hagen gelingt es zu fliehen, er kehrt in seine Heimat an den Hof Gunthers nach Worms zurück.

Walter und Hildgund nutzen einige Zeit später ebenso die Gelegenheit zur Flucht. Neben Pferden entwenden sie auch eine Kiste voll Gold. Nachdem das Paar den Rhein bei Worms überquert hat, setzen ihnen die vermeintlichen Franken nach, allen voran König Gunther, begleitet von Hagen und elf weiteren Wormser Rittern (Siegfried bleibt unerwähnt). Die Verfolger stellen Walter. Gunther fordert von ihm den Hort und die Jungfrau. Es folgen elf Einzelkämpfe, die - wie auch später im Rosengartenlied - alle tödlich für die Wormser enden. Schließlich kämpfen nur noch Hagen und Gunther auf freiem Feld gegen Walter. Hagen verliert dabei ein Auge, Gunther einen Fuß und Walter seine rechte Hand. Dann schließen sie Frieden.

Walter und Hildgund auf der Flucht, verfolgt von Hagen und Gunther
Codex Manesse, 14. Jh.

Bild oben rechts: Der Waltarifels am Donnersberg, einer von vielen (Oft genannt wird in diesem Zusammenhang auch der Waskenstein im Wasgau). Das Waltarilied beschreibt den Ort, an dem die Zweikämpfe stattfinden als einen zweigeteilten Felsen westlich des Rheins. "Dort stehn zwei Felsen in einsamer Lage nah beieinander; lieblich steigt, wenn auch eng eine Flucht empor zwischen beiden, nicht in die Erde gehöhlt, durch die Felsgipfel vielmehr gebildet, wohlgeeignet als Aufenthaltsort für blutdürst´ge Räuber. Und ein grünes deftiges Gras bedeckt diesen Winkel."

Das Waltarilied
(latein), Onlineversion der Bibliotheca Augustana