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VITALIUS
&
PLACIDIA

Placidia, Gemälde von Eichfelder, 1998 ..

Im ehemaligen Bergkloster befanden sich drei merkwürdige Steinplatten, eine davon, der Dreijungfrauenstein, steht jetzt im Wormser Dom. Die beiden anderen Steine dieses Scheingrabes sind verschollen, lediglich zwei Kupferstiche davon blieben erhalten. Wer sich hinter dem Königspaar Vitalius und Placidia verbirgt, bleibt rätselhaft. Im Zuge der Interpretation des Dreijungfrauensteins wurden sie als deren Eltern gedeutet.
Nach der Straßburger Überlieferung waren die drei Beeten im Gefolge der hl. Ursula und ihrer 11.000 Jungfrauen, die auf ihrer Heimreise von einer Pilgerfahrt nach Rom angeblich von Hunnen (unter Attila) getötet wurden (wobei unsere drei Schwestern in Straßburg zur Pflege der hl. Aurelia zurückblieben und dort 273 n.Chr. starben). Die Vita der Ursula hat eine lange Tradition und es gibt wohl keine Legende, deren geschichtlicher Kern schwerer zu erforschen wäre.

Das erste große Missverständnis entstand aus einem Lesefehler, denn aus XI M.V. (XI MARTYRES VIRGINES) wurde XI MILHA VIRGINUM, ursprünglich waren es also nicht 11.000, sondern elf Jungfrauen im Gefolge der hl. Ursula, die erst durch die Legende zur Ursula umgedeutet wurde und eigentlich Pinnosa (Spinosa) hieß.

Die beiden Kupferstiche sind die letzten Hinweise auf die verschwundenen Grabplatten des Scheingrabes
(aus E. Kranzbühler, Worms und die Heldensage, 1930)


Der alte Name "Spinosa" führt uns (nach Simrock) zur Spindel von Dornröschen (etc.) und die Frau mit ihrem Gefolge möglicherweise zu den zwölf Feen desselben Märchens, womit wir uns dem Bereich der Nibelungenmythologie nähern (sehr fraglich). Vitalius und Placidia wurden zuletzt (als historisierende Fiktion) auf Kaiser Valentinian III. und dessen Mutter Galla Placida (+ 450 in Rom) gedeutet. Diese Auslegung möchte ich aber schon deshalb in Frage stellen, da es sich nach gängiger Überlieferung bei dem Königspaar um die Eltern der drei Jungfrauen handelt und auch sonst kein zwingender Grund vorliegt, dieses Mutter-Sohn Paar in Verbindung zu den so genannten fränkischen Prinzessinnen zu stellen.

Zur Deutung von Placidia kann ich jedoch keine plausible Alternative vorschlagen, bei Vitalius (Vitus, Veit) sieht dies allerdings etwas anders aus. Die Etymologie bezeichnet ihn als lebenskräftig (vital). Er ist der Schutzheilige der Kupferschmiede und Tänzer. Die Weihinschrift der Stephanskirche in Worms aus dem Jahre 1055 führt seinen Namen (Vitus) und verweist auf dessen Reliquien. Mit seinem Jahrestag, dem 15. Juni, wurde die Sommersonnwende eingeleitet und die Feldfeuer eröffnet. Er steht in unmittelbarer Verbindung zum rituellen "Tierjagen" (hierzu kleidete man sich in Tierfelle und setzte gehörnte Tierhäupter auf). Bußordnungen des 6/7. Jh. verbieten dies wiederholt, dennoch hielt sich der Brauch bis ins Mittelalter z.B. beim Eingehen zweiter Ehen und ähnlicher "Unsittlichkeiten" (detailiertere Informationen über kultische Hirschspiele vgl. "Cernunnos" und "Heros Tod").