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DRACHEN-KNOCHEN

Drachenknochen von Eichfelder
Foto: Ulf Engel

Im spätmittelalterlichen Worms konnte man vielerorts kuriose Arrangements bestaunen. Dabei handelte es sich u.a. um Saurier- oder Mammutfossilien, die oftmals an eisernen Ketten aufgehängt waren; so z.B. in dem Laubengang des alten Rathauses.
Zu dieser Zeit erzählte man sich viele Geschichten über Siegfried oder - wie er damals hieß - Seyfrid, den Drachentöter. In der Phantasie dieser Menschen war er zu einem Riesen geworden.
Er kam nach Worms, und erfuhr, dass die Prinzessin Krimhild von einem Drachen entführt wurde, sein Hauptabenteuer bestand darin im Kampf gegen Riesen und Drachen die Königstochter zu befreien, was ihm natürlich auch gelungen ist, diese Geschichte kennen wir aus dem "Seyfridlied".

Selbst die Gelehrten glaubten an die Existenz von Riesen, die Beweise dafür konnten allerorts zu Tage gefördert werden, insbesondere in den Kiesschichten des Rheins wurden Knochen gefunden, deren Größe man sich nicht anders erklären konnte.

Es muss Riesen gegeben haben.

Das Mitglied des Wormser Dreizehnerrates, Johann Schippel, meinte noch in seinem 1689 gedruckten Zerstörungsbericht: (Zitat) "Und es ist unleugbar, daß große und mehr als 20 bis 30 Schuh lang gewesene Riesen an dieser Rhein-Gegend sich nicht selten auffgehalten haben, indeme ein dergleichen Riesen-Bein Anno 1635 im Rhein gefunden, ich selbsten zu Wormbs gehabt, nach welches abgetheilter Proportion der Mensch mehr als 30 Schuh lang müste gewesen seyn". Nicht nur unter der Münze, sondern auch "sonsten" seien in Worms "sehr curiose Beine zu sehen gewesen".

Selbst der bekannte Stadtchronist Friedrich Zorn, der sich immer alle Mühe gab möglichst seriös zu erscheinen bestreitet nicht die vorzeitliche Existenz eines Riesengeschlechtes - obwohl er sich immer gerne von sonstigen sagenhaften Erzählungen distanziert. In diesem einen Punkt herrschte wohl Einigkeit.

Rathausfassade, Zeichnung nach Hamman (Bild: SAW)

Der erste Hinweis auf das Vorhandensein der Riesenknochen am Rathaus stammt von dem Brandenburger Georg Sabinus (um 1540). Er spielt auf diese Gebeine an. Auch für ihn war das Gebiet um Worms einst von Giganten bewohnt, wie dies die mitten auf dem Marktplatz in schweren Ketten aufgehängten staunenswerten Knochen bewiesen.

Ein weiterer Hinweis stammt von dem Augsburger Lienhart Flechsel. Er besuchte im Jahr 1575 die Stadt Worms. Bei seinem Rundgang "sieht er unter der Münze an einer eisernen Kette "mechtig vill große rissen bain hangen".
Es sind dieselben Knochen, von denen im Jahr 1609 Matthias Quadt von Kinkelbach erzählt, dass bei der Münze "daz gebein von den Reisen vnd Trachen, welche Seyfrid vberwunden, in eiserne ketten gefasset, hangen thun".

Hier erfahren wir erstmals mit wem genau diese Knochen in Verbindung gebracht wurden, bzw. welchen Bären die alten Wormser ihren Besuchern aufgebunden haben, es waren also genau die Knochen der von Siegfried erschlagenen Riesen und Drachen und es waren wirklich nicht wenige, die von Siegfried erschlagen wurden, im Laufe der Jahrhunderte wurden es nämlich immer mehr.

Um die Wende des 17. Jahrhunderts z.B. sah man derartige Knochen im Tannerischen Haus. In der Mohrenapotheke konnte man den Schenkelknochen eines Giganten bestaunen.
Aber auch im Zeughaus sollen Riesenknochen aufbewahrt worden sein. Neben tatsächlichen Gigantenknochen werden auch Schädel, Rippen und anderes Gebein von Stieren und sonstigen Ungetümen genannt. Es erweckt wirklich den Anschein, als wären sie in der ganzen Stadt verbreitet gewesen.

Am Augenfälligsten aber waren wohl die Exemplare am Marktplatz bzw. die am Rathaus der Stadt und genau diese Knochen finden wir auf Hammans Zeichnung von 1689 dokumentiert.

Seine Arbeiten entstanden unmittelbar nach der katastrophalen Stadtzerstörung durch die Franzosen und sind quasi aus der Erinnerung gemalt, das Bild, welches er uns vom alten Rathaus, dem Haus zur Münze hinterlässt zeigt die besagten Knochen in den Arkaden (links) des Laubenganges angedeutet.

Rathausfassade, Zeichnung von Hamman, um 1689
(Ausschnitt, Bild: SAW)


Oberhalb dieses Laubenganges befanden sich die Malereien Nikolaus Nivergalts, Nivergalt gestaltete um 1498 dieses Rathaus mit Motiven der Nibelungensage, und auch hier begegnen wir wieder den Riesen, die Malereien bildeten nämlich, soweit wir dies heute bestimmen können, Inhalte des Rosengartenliedes, des Seyfridliedes oder einer uns unbekannten weiteren Lokaltradition ab.

Mit meiner Installation der Drachenknochen möchte ich an diese Geschichten erinnern, die heute neben dem großen Nibelungenlied verblassen.