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DER WORMSER
ROSENGARTEN

Gottesacker-Kapelle, Zeichnung, SAW

Beim "Rosengarten zu Worms" handelt es sich um eine eher volkstümliche Erzählung des 13.Jhs. Dieses im Mittelalter sehr bekannte Lied im Schnittpunkt von Nibelungen- und Dietrichepik unterscheidet sich deutlich vom Nibelungenlied:

Zu Worms am Rhein legt Kriemhild einen Rosengarten um eine Linde herum an. Der Garten wird von 12 Wormser Helden behütet (Gunther, Gernot, Hagen, Siegfried etc.). Kriemhild sendet Dietrich von Bern eine Herausforderung; er solle mit seinen elf besten Rittern im Wormser Rosengarten um die Ehre kämpfen. Der Siegerpreis ist in erster Linie ein Kuss der Prinzessin sowie ein Kranz aus Rosen, beiläufig geht es auch um Krone und Reich. Dietrich nimmt die Herausforderung an. Es finden zwölf Einzelkämpfe im Rosengarten statt, die alle zu Gunsten der Berner enden. Kriemhild muss küssen, der Garten wird zerstört und Worms bekommt einen neuen Herrscher.

Im folgenden möchte ich der Frage nachgehen, ob es tatsächlich einen Rosengarten in (oder bei) Worms gab, wo er sich verorten ließe und welche Funktion er erfüllt haben könnte.
Zu der ursprünglichen
Identität von Rosengärten und Gräberfeldern lesen Sie den Beitrag unter Kultplätze.

Der Kampfplatz des Rosengartenliedes ist linksrheinisch gedacht, denn Dietrich musste mit seinen Männern von Osten her kommend über den Rhein setzen.
Der bekannte Rosengarten bei Lampertheim (rechtsrheinisch gegenüber von Worms gelegen) wurde erstmals 1422 erwähnt, erst knapp 200 Jahre nach der Dichtung des Rosengartenliedes.

Den ältesten Hinweis auf einen Rosengarten bei Worms gibt das Rosengartenlied, also Mitte des 13. Jh. Bereits 1324 wird in Worms ein "Haus zum Rosengarten" und 1339 (zumindest nach den Quellen von Kurt Ranke) ein Rosengarten bei einem Kirchhof erwähnt. Vielleicht war es auch ein Missverständnis von Ranke, denn die städtischen Quellen bezeugen ab 1339 lediglich eine "Rosengassen" in Worms und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft des Nonnenklosters Maria Münster.

Moderner Plan mit spätmittelalterlicher Stadtmauer,
dem Kloster Maria Münster, der Rosengasse und dem Heidenkirchhof.


DER ROSENGARTEN BEI MARIA MÜNSTER

Christ vermutete (1904) - ohne diese Aussage näher zu belegen - den Rosengarten bei dem Nonnenkloster Maria Münster, etwas außerhalb der Stadt. Dafür spricht natürlich neben der lokalen Nähe der "Rosengasse" und des "Hauses zum Rosengarten" auch das Vorhandensein eines ausgedehntes Gräberfeldes, welches quasi gekrönt wurde von einem Tumulus, der seit dem 15. Jh. als Seyfrids Grab überliefert ist.

Die Römer haben diesen Ort offensichtlich schon als Bezugspunkt gewählt, denn ihre Stadtbefestigung grenzte mit dem südlichsten Punkt (s.o.) an die prähistorische Nekropole.

Bei Ausgrabungsarbeiten in diesem Gebiet stieß man unter anderem auf römische und fränkische Gräber, Grabanlagen aus anderen Epochen dürfen dort ebenfalls vermutet werden.
Im 9. Jh. entsteht dort das älteste Wormser Nonnenkloster Maria Münster und im 13. Jh. wird der Tumulus selbst umbaut von zwei Kapellen.



Zeichnung von Hamman, um 1689, Stadtarchiv Worms (SAW)

Hügelgräber dieser Art dienten seit Alters her sehr häufig als Orte für Rechtssprechungen. Diese räumliche Übereinstimmung von Gerichts- und Grabstätte ist vielerorts belegt (z.B. der Walinehügel bei Heppenheim (Markbeschreibung 795)). Ähnlich wie wir es von den Rosengärten im Allgemeinen kennen, wurden auch, gerade bei großen, die Landschaft beherrschenden Hügelgräbern - Feste abgehalten, sehr häufig lassen sich auch Osterfeuer nachweisen.

Der Wormser Tumulus war durch seine Größe und lokale Seltenheit sicher als solcher prädestiniert gewesen, es gibt allerdings keine Hinweise auf festliche Begehungen oder ähnliches.
Im 17. Jh. gab es lediglich noch Berichte von einem unheimlichen Leuchten über den Gräbern bei Maria Münster, es könnte natürlich eine Reminiszenz an Oster- oder Maifeuer sein - ohne deshalb gleich an eine Waberlohe zu denken.
Da es aber durchaus üblich war, prähistorische Begräbnisstätten dieser Art als Rosengarten zu bezeichnen könnte auch diese Grabstätte jenen Namen getragen haben. Unter Berücksichtigung der überlieferten Straßen- und Flurnamen dieses Gebietes wird dies sogar wahrscheinlich.

Die Wormser Geschichtsschreibung kennt einen Ort namens "Lobwiese" - außerhalb der Stadt, zum Rhein hin - an dem u.a. auch 1122 das Wormser Konkordat verkündet wurde, dieser Platz wird in mehreren Urkunden genannt, ohne ihn näher zu lokalisieren; sicher ist lediglich, dass er linksrheinisch, zwischen dem Rheinufer und der Stadt gelegen haben muss.

Boos hat - ähnlich wie Christ - diesen Ort, ohne nähere Begründung bei Maria Münster gesucht (zumindest war die Lobwiese im Besitz des Klosters). Der Name des Ortes leitet sich nach Kranzbühler von einem dort abgehaltenen Maifest ab, bei dem die Laube eine zentrale Rolle spielte

Ausgrabungen auf dem römischen Gräberfeld
(Heidenfriedhof) bei Maria Münster
Foto um 1883, Stadtarchiv Worms (SAW)

Im Jahre 1616 schreibt Staricius, "dass der Rosengarten, in welchem zu seiner Zeit viele Helden erschlagen wurden, und er (also Siegfried) selbst ums leben kam, außerhalb der Stadt noch heutigen Tags gezeigt wird". Diese Nachricht steht aber isoliert innerhalb der Überlieferung und wird durch keine der anderen Quellen bestätigt.
Nach Lage und Stand der Überlieferung gehe ich dennoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass - sollte es jemals einen Rosengarten bei Worms gegeben haben - er bei dem Gräberfeld von Maria Münster zu suchen ist.