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SEYFRID GRAB
DIE GESCHICHTE

Siegfriedgrab von Eichfelder, Foto: R. Uhrig

Die Berichterstattung über das Grab selbst beginnt erst mit seiner teilweisen Zerstörung durch Kaiser Friedrich III., der im Jahre 1488 nach den Gebeinen des "Hürnen Seyfried" suchen ließ.
Eine gewisse Bedeutung ist dem Grabmal oder vielmehr dem Areal, auf dem es stand, auch in früherer Zeit nicht abzusprechen.
Der Standort des ursprünglichen Tumulus befindet sich etwa 800 Meter nördlich des Wormser Adlerbergs, der für die Adlerbergkultur namensgebend wurde und in Zusammenhang mit den ältesten Kupfer/Bronzefunden Deutschlands steht.
Die römische Stadtbefestigung grenzte in ihrem südlichsten Punkt an die prähistorische Nekropole. (Der genaue Verlauf der römischen Befestigung ist nicht eindeutig geklärt).
1890 stieß Dr. C. Koehl bei Ausgrabungsarbeiten in diesem Gebiet unter anderem auf römische und fränkische Gräber, Grabanlagen aus anderen Epochen dürfen dort ebenfalls vermutet werden. Der Tumulus selbst befand sich inmitten eines christlichen Friedhofs.
Nach der Überlieferung geht die Gründung des Nonnenklosters Maria Münster auf Ludwig den Frommen, den Sohn Karls des Großen zurück. Der Jahrestag des am 20. Juni 840 (quasi zur Sommersonnwende) verstorbenen Kaisers wurde dort alljährlich feierlich begangen.

Bischof Burchard, Erbauer des Wormser Doms und Erneuerer der Stadt, erließ zu Beginn des 11.Jh. ein strenges Dekret, das es allen Bischöfen und Kirchendienern zur Pflicht macht, heidnische Kultmale gründlich zu beseitigen:

"lapides, quos in ruinosis locis et silvestribus daemonum ludificationibus decepti venerantur, ubi et vota vovent et deferunt, funditus effodiantur atque in tali loco projiciantur, ubi nunquam a cultoribus suis venerari possint."
(Opfer)-Steine, die sie in Ruinenstätten und Wäldern, von teuflischem Blendwerk getäuscht, verehren, wo sie Gelübde ablegen und einlösen, soll man gänzlich ausgraben und wegschaffen an einen Ort, wo sie nie mehr von ihren Anhängern verehrt werden können.

Es ist anzunehmen, dass in Folge derartiger Bestimmungen eine Vielzahl prähistorischer Kulturdenkmäler in Rheinhessen und insbesondere auch in Worms zerstört wurden.

Skulptur des Bf. Burchards am Wormser Dom
Bild: Stadtarchiv Worms (SAW)


Das Seyfridgrab hat diesen Erlass scheinbar unbeschadet überstanden. Weshalb aber blieb ausgerechnet dieses heidnische Relikt, in einem Zentrum kirchlicher Macht, verschont? (Zumal man die Gesteinsmassen des Tumulus sowie die "aus der Erde ragenden Steine" als Baumaterial hätte verwenden können).

Die Geschichte wirkt um so verwunderlicher, da wir von Burchards leiblicher Schwester Mechthildis wissen, dass sie dem Frauenkloster als Äbtissin vorstand. Burchard selbst hatte sie in dieses Amt gedrängt, zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht einmal Nonne war. Der Bischof nahm sich daraufhin fürsorglich des Klosters an. Eine Schenkungsurkunde (im Zusammenhang mit Wiederaufbauarbeiten) aus dem Jahr 1016 ist auch die erste urkundliche Erwähnung dieses ältesten Wormser Nonnenmünster.

Aufgrund der Abkehr von christlichen Moralvorstellungen wird das Kloster zu Beginn des 13. Jh. durch Bischof Landolf sowie (den in Worms gewählten) Papst Gregor IX. reformiert und weiter ausgebaut. Verschiedene Hinweise deuten darauf hin, dass zwei weitere Kirchen auf dem Klostergelände vorhanden waren.
Der gotischen Epoche zugehörig gelten auch die Meinhards- und die Cäcilienkirche südlich des Klosterbezirks. In dem Raum zwischen den beiden Gotteshäusern soll sich das Seyfridgrab befunden haben. Der Tumulus wurde demnach nicht beseitigt, sondern von Sakralbauten geradezu eingeschlossen.

Die spätmittelalterliche Stadtbefestigung verlief entlang des Klosters und bildete bei dem Tumulus und den ihn umschließenden Kirchen wiederum ihren südlichsten Punkt.

Ab dem Ende des 15. Jh. berichten die Chroniken (Originalquellen) über das Grab:

1488 teilen uns die ACTA WORMATIENSIA (Chronik der Stadt) anlässlich der Anwesenheit Kaiser Friedrichs III mit, dass er auf St. Meinhards Kirchhof "kreuzweise" und "bis aufs Wasser" graben ließ in der Hoffnung, Gebeine vom "Hornin Seyfrid" (dem Riesen) zu finden. Es wurden auch etliche Knochen gefunden, angeblich größer als die eines normalen Menschen, aber die allgemeinen Erwartungen wurden nicht erfüllt.

1502 schildert die Kirschgartener Chronik den Vorfall: "Der Kaiser erfuhr von dem berühmt berüchtigten Grab (sepulchrum famosum) des Riesen "Sifridus der Hörnern", woran der Unverstand der Bauern festgehalten hat, weil an jenem Ort auch aufgestellte Zeichen zu sehen waren (signa posita videbantur). Er gab fünf Gulden (genug Geld, um etwa 200 Tagelöhner zu beschäftigen) und ließ graben bis aufs Wasser, ohne überhaupt etwas zu finden."

Diesem Text ist neben dem Widerspruch über die Fundergebnisse zu entnehmen, dass wohl schon eine ältere Sage mit diesem Grabmal in Zusammenhang stand. Was der christliche Chronist als "Unverstand der Bauern" abwertet, ist letztendlich die Tradition der mündlichen Überlieferung.

1551 erfahren wir von Gaspar Bruschius Genaueres über das Grab: "Es befindet sich in dem Raum zwischen den beiden Kirchen und in einem gewissen Abstand von ihnen. Der Tumulus ist mit zwei aus der Erde hervorragenden Steinen bezeichnet und misst die Länge von 47 Fuß". Im gleichen Zusammenhang erwähnt Bruschius auch das Gedicht vom "Hornin Seyfrid". Dieses Lied vom "Hürnen Seyfrid" ist uns in einem Druck aus dem Jahr 1520 erhalten geblieben.

1570 berichtet der Stadtchronist Friedrich Zorn von dem Grab und dem archäologischen Interesse Friedrichs III. mit Bezug auf die Kirschgartener Chronik.


1632 bestätigt ein gelehrter Reisender die Lokalität des Tumulus (hinter einem Nonnenkloster, zwischen zwei Kapellen), die Menhire, sowie die Länge des Grabes.

1689 wird Worms von französischen Truppen in Schutt und Asche gelegt. Der Aulturm bei Maria Münster (ein mächtiger Eckturm der Stadtbefestigung) wurde gesprengt. Das Kloster selbst blieb im Andenken an Ludwig den Frommen verschont, der Tumulus hingegen wurde angeblich zerstört. Dennoch finden wir 1695 bei Salomon Reisel (einem bekannten Wormser Arzt) den Tumulus noch als Sehenswürdigkeit erwähnt (huc tumulus, ut putatur, gigantis ad s. Meinard)

1744 berichtet der "Rheinische Antiquarius", dass man bis zum Stadtbrand noch jenes Grab gezeigt hat.
Jahre später werden in der gleichen Zeitschrift die beiden Steine weiterhin als stehend erwähnt, was wir jedoch in Frage stellen dürfen.

1811 wurde der Friedhof profanen Zwecken zugeführt, ein Jahr, nachdem sich das Kloster zur Kaserne wandelte.

1930 erschien die Ausarbeitung und Quellensammlung Eugen Kranzbühlers zu Siegfrieds Grab in dem posthum veröffentlichten Werk "Worms und die Heldensage".

2003 entstand das Siegfriedsgrab als Kunstwerk in neuer Form auf dem Torturmplatz bei dem Nibelungenmuseum.

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