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SIEGFRIED GRAB
Versuch der zeitlichen & kulturellen Zuordnung

Foto: Jan Herold, www.megalithic.co.uk ..

1488 lässt Kaiser Friedrich III. einen Grabhügel zwischen zwei Kirchen in der südlichen Vorstadt untersuchen, in der Hoffnung die Gebeine Siegfrieds zu finden. Dieses so genannte Siegfriedgrab wurde in verschiedenen Quellen als eine etwa 13m lange Grabanlage beschrieben, die mit "aus der Erde hervorragenden Steinen" bezeichnet war.
Die einzigen Angaben über den äußeren Anschein des Grabes beschränken sich demnach auf die Länge der Anlage, sowie auf das Vorhandensein der "hervorragenden Steine".
Weder die Höhe der Steine noch die des Grabhügels sind überliefert. Auch wissen wir nicht, wie diese Steine zu dem Grab standen; möglicherweise waren sie sehr klein oder befanden sich auf bzw. z.T. in dem Tumulus. Ebenso ist uns unbekannt, wie viele Steine es ursprünglich waren, denn erst die sehr späte Quelle von Bruschius nennt die Zahl zwei.

EIN KELTISCHES FÜRSTENGRAB?

Die Beschreibung des Siegfriedgrab erinnert sehr stark an die eines keltischen Fürstengrabes der Hallstattzeit. Lediglich die Erwähnung eines zweiten Steins stimmt nicht ganz mit unserer Vorstellung eines hallstattzeitlichen Grabhügels überein. Dennoch zeigen uns gerade die Ausgrabungen der letzten Jahre, dass eine große keltische Population dauerhaft in Worms ansässig gewesen sein muss. Hierzu zitiere ich Ulrike Schäfer:
"Anfang der 60er Jahre wurde in der Herrnsheimer Gemarkung das kostbar ausgestattete Grab einer Keltenfürstin aufgefunden.

1991/92 erfolgte die Entdeckung einer weiteren reichen Bestattung. (...) Mitten im Industriegebiet Nord wurde das größte keltische Gräberfeld des gesamten Raums zutage gefördert. Es handelt sich um insgesamt 33 Kreisgräberanlagen mit 135 Bestattungen. Sie stammen überwiegend aus der La-Tène-Zeit.

Grab der (keltischen) Fürstin von Rheinheim, Hallstattzeit
www.uni-saarland.de/fak5/physgeo/Reinheim/tumulus.html


"Das älteste Grab wurde wohl im 13. Jh. v.Chr. angelegt", so Detert Zylmann, der die Grabungen wissenschaftlich betreut, "die jüngsten können wir ins erste vorchristliche Jahrhundert datieren³. Bestattet wurden die toten Kelten in mächtigen Hügeln mit einem Durchmesser von fünf bis 40 Metern, die von eins, zwei und manchmal auch drei kreisförmigen Gräben umgeben waren und häufig mehrere Gräber bargen.
Durch die landwirtschaftliche Nutzung seit Hunderten von Jahren seien die Hügel natürlich schon lange reduziert worden, im Vergleich mit anderen Fundorten dürfe man aber annehmen, dass sie ehemals drei bis vier Meter hoch gewesen seien und dass darauf manchmal auch noch eine Stele gestanden habe, erläutert Dr. Rupprecht." (Wormser Zeitung 10.07.2004)

EIN PRÄHISTORISCHER TUMULUS?

Nach der Ansicht von Jens Lüning (Fachbereich für Vor- und Frühgeschichte, Frankfurt), könnten die "hervorragenden Steine" eventuell auch aus der Jungsteinzeit stammen (südwestdeutsches Megalithikum, ca. 3.600 bis 2.800 v.Chr.). Der Grabhügel wäre in diesem Fall dann aber eher bronzezeitlich (etwa 1.500 v.Chr.) und wurde, wie dies auch an anderen Orten nachzuweisen ist, "im Rahmen der Kontinuität ritueller Landschaften" den Monolithen beigesellt (dies trifft im weiteren auch auf die Kirchenbauten zu, die das Siegfriedgrab im Mittelalter quasi umringten). Eine frühe, d.h. neolithische Kombination der Menhire mit dem Tumulus hält er für ausgeschlossen, da sich hierfür keinerlei Parallelen finden.

Albrecht Jockenhövel (Fachbereich für Vor- und Frühgeschichte, Münster) könnte sich vorstellen, dass es sich bei dem Wormser Tumulus um eines der verschollenen Bindeglieder zwischen der so genannten hessischen Wartberggruppe (Großsteingräber ohne begleitende Menhire) und der ostfranzösischen Megalithkultur (Dolmen mit integrierten Menhiren) handelt.

Ganggrab bei Züschen (Hessen, Wartberggruppe)
Bild: Stadtarchiv Fritzlar


Die Entdeckung solcher Funde steht noch aus, wird aber von Jockenhövel prognostiziert. Diesbezüglich gibt es Hinweise bei Untersuchungen im hessischen Muschenheim ("Heiliger Stein") sowie im pfälzischen Weisenheim am Sand (Eyersheimer Mühle). Um die Jahrhundertwende wurde an der Pfrimm eine ähnliche Grabanlage freigelegt, aber leider nur unzureichend untersucht.

Menhire (Hinkelsteine) sind in der Pfalz selbst heute noch sehr häufig anzutreffen, Ihre Gegenwart in Worms ist zumindest sehr wahrscheinlich (1368 wird z. B. unweit des Klosters Nonnenmünster ein "wingarten by dem Hohensteine hinder kirsegarten gelegen" erwähnt.)
Da Worms an einem der bedeutenden Ost-West Verkehrswege am Rhein liegt, der hier zur Frühzeit eine der wenigen großen Überquerungsmöglichkeiten bot, wäre es nicht allzu überraschend, gerade an einem solchen Verbindungspunkt der Kulturen auch Relikte ihrer Verschmelzung vorzufinden. Siegfrieds Grab könnte demnach ebenso eine rein jungsteinzeitliche Anlage gewesen sein.

Letztendlich muss die Frage nach der zeitlichen und kulturellen Zuordnung des Tumulus offen bleiben, mit Sicherheit annehmen kann man nur, dass es sich bei dem Siegfriedgrab um eines der eindrucksvollsten Monumente der Wormser Vorgeschichte handelte.

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